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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 473

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
Date
1900-01-01
Page
Seite 473 (sequence 14)
Language
German
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S. D. Luzzatto’s Stellung zur Bibelkritik. 473 einzelne Worte oder ganze Gedanken einschoben, um besonders gottlose Stellen zu massigen, und dem Ganzen einen versöhnliehen Schluss anfügten. Um seinem Buche ein höheres Ansehen zu verschaffen, setzte Kohelet den Namen des weisen Königs Salomo an die Spitze und berief sich in seiner Schrift immer wiederauf die Autorität dieses Königs. Die Zeitgenossen entlarvten, ihn jedoch bei seinem Betrüge und setzten überall den wahren Namen des Verfassers ein, der zu seiner Brandmarkung für alle Zeiten erhalten geblieben ist1). Mit demselben Freimuth wie über Kohelet, das Buch mit der harten ungefügigen Sprache, das ihm alles Lichtglanzes entbehrte, äusserte sich Luzzatto gelegentlich auch über Hiob. Ich hebe gerade diese Ansicht hervor, da es sich um ein Buch mit unvergleichlich schöner Sprache handelt, dem Luzzatto ein sehr hohes Alter zuschrieb und dessen Sprachgut für seine Forschung von ganz besonderem Wertlie war. Dennoch übte er auch an diesem Buche scharf einschneidende Kritik. Die Gestalt des Satan im Hiob beruht auf einer unjüdischen Vor- Stellung. Darum möchte er auch den Verfasser für einen Nichtjuden halten. Für diese Annahme scheint ihm auch der Gottesbegriff des Buches zu sprechen. Hiob’s Gott ist nicht der gnädige und barmherzige, langmüthigeund huldreiche Gott Israels, vielmehr ein gewalttliätiges, herrschsüchtiges Wesen. Dem leidenden Frommen ertheilt dieser Gott keine gebührende Antwort auf seine Vorwürfe, heisst ihn vielmehr schweigen und drückt ihn nieder durch den Hinweis auf die menschliche Schwäche. Einen solchen Inhalt ergiebt der natürliche Sinn der letzten Reden im Hiob, die Beziehung derselben auf die göttliche Vorsehung ist ein apologetisches Hilfsmittel2). Die ganze Stärke und Vorurtheilslosigkeit der Exegese Luzzatto’s zeigt sich in seiner Behandlung des biblischen Textes. Tiefes’poetisches Empfinden und ein feines Taktgefühl, eine seltene Kenntniss des biblischen Sprachgebrauchs und Vertrautheit mit der hebräischen Stilistik bis in ihre tiefsten Feinheiten befähigten ihn ganz besonders, alle Unebenheiten und Schwierigkeiten des biblischen Textes wahrzunehmnn und zu verbessern. Accente und Vocalzeichen, Consonantentext und Wortabtheilung waren ihm geläufig wie keinem Zweiten, seiner feinen Beobachtung entging keine Unregelmässigkeit und Härte *) Oz. Nechm. das., vgl. besonders S. 6. 2) Ker. Chem. II, 121.

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