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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 472

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
Date
1900-01-01
Page
Seite 472 (sequence 13)
Language
German
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472 S. D. Luzatto’s Stellung zur Bibelkritik. Gegner einzugehen, dass er sich in ihren Gedankengängeii zu bewegen verstand. Es war eben nicht dogmatische Engherzig־ keit, die ihn von der Annahme der Resultate der Kritik zurückhielt, sondern nur die mangelnde Ueberzeugungskraft ihrer Beweise. Wo jedoch die klar hervortretenden Schwierigkeiten die Ueberlieferung über Erklärung und Auslegung, über Abfassungszeit und Authentie einer Bibelstelle als unhaltbar erwiesen, wo die Kritik einen befriedigenden Ausweg darbot, da musste auch Luzzätto ohne Voreingenommenheit eine solche Lösung annehmen, musste auch er die logische Nothwendigkeit jener Schlüsse unbefangen anerkennen. Dementsprechend schaltete er unbedenklieh aus Jesaia eine ganze Rede aus1), behauptete er die Unechtheit einzelner Stücke im zweiten Theil des Secharja2 *), nahm er exilische Psalmen und nachsalomonische Sprüche an8). Die volle Schärfe seiner Kritik trat am Buche Kohelet hervor. Im Jünglingsalter bereits hatte er an diesem Buche mit seiner harten Sprache und seiner mechanischen Weltanschauung Anstoss genommen und sofort einen Commentar dazu verfasst, den er jedoch erst in vorgerückten Jahren veröffentlichte4). Unter Auflegung aller Schwierigkeiten weist er hier nach, dass Kohelet ein pseudepigraphisches Werk sei. Kohelet, der Verfassen des nach ihm benannten Buches, war ein im Genuss und in Selbstsucht dahinlebender Schriftsteller, welcher unjüdische, der griechischen Philosophie entlehnte Anschauungen in seiner Schrift zum Ausdruck brachte. Er ist ein "Vertreter der Lehre vom ehernen Naturgesetz, das den Menschen als willenloses Werkzeug in der Hand des Schicksals betrachtet, jeden Aufschwung zum Idealen als zwecklos verwirft, an ein höheres, das seelische Leben nicht glaubt und auch die Unsterblichkeit der Seele leugnet. Dieser Ansicht begegnen wir überall, wo sich die Anschauung des Kohelet unversehrt erhalten hat. Für ihn sind alle Bemühungen des Menschen auf der Welt nutzlos, nur in Selbstsucht gemessen heisst ihm Glück, die *Tage nach dem Tode sind ihm eine Zeit ewiger Finsterniss. In dem uns vorliegenden Texte ist dem Unglauben Kohelet*s die Spitze abgebrochen, wir finden darin Sätze religiösen Inhaltes; Kohelet erscheint uns als Zweifler, der sich am Schlüsse doch zum Glauben durchringt. Das sind aber Zusätze der Rabbinen, die ג) S. oben S. 462. ף Ker. Chein. VII, 238. ף Das. II, 122. 4) Ozar Nechrn. IV, 47 ff.

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