Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 12)
- Language
- German
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S. D. Luzatto’s Stellung zur Bibelkritik. 471 Eine andere kritische Frage, in der Lnzzatto den positiven Standpunkt vertrat, ist das Problem der makkabäischen Psalmen. Der Kanon war zu jener Zeit bereits abgeschlossen1), und neue Schriften wurden nicht mehr in ihn aufgenommen2). Es gab aber auch unter den Zeitgenossen der Makkabäer keine Dichter mit so bedeutenden Fähigkeiten, wie sie jene Lieder voraussetzen. Wie wäre es sonst zu erklären, dass kein Heldengesang diese Kämpfe verherrlicht, kein Lied die Waffenthaten und Siege der hasmonäischen Brüder mit so begeisterten Worten preist, wie etwa das Lied am Schilfmeer die Rettung Israels und der Gesang der Deborah den Sieg über Sisera! Die Sprache der Makkabäerpsalmen ist archaistisch, aber nicht jung. Dass sie zu alten Formen hinneigt, die sich sonst nur im Aramäischen erhalten haben, ist eine Eigentümlichkeit des poetischen Stils und in Dichtungen keineswegs ein Beweis für jüngere Abfassung3). Die Diktion hat keine Aehnlichkeit mit der des nicht viel jüngeren Ben Sira4). Einzelne Anschauungen, die in jenen Psalmen zum Ausdruck kommen, sind ebenfalls mit der angenommenen Abfassungszeit nicht zu vereinigen. Was soll z. B. in den Tagen der Makkabäer die Verherrlichung des Davidischen Hauses durch Psalm 89 bedeuten? Es ist aber nichts über das Auftreten von Psalmdichtern zu jener Zeit bekannt, obwohl die Geschichtsquellen aus den Tagen der Kriege mit den Syrern nicht spärlich fliessen. Wir haben es mit einer historischen Epoche zu thun, über deren Bewegung und Geisteserzeugnisse wir gut unterrichtet sind. Keineswegs hätten die Quellen uns das Auftreten so hervorragender Dichter ganz verschwiegen. Oder würden die Sadducäer in ihrem Kampfe gegen die Pharisäer nie die Aufnahme so junger Schriften in den Kanon zum Gegenstände ihrer Angriffe gemacht haben5)? Zu den wichtigsten drei Problemen also, welche die Kritik aufgeworfen un<J allmählich einer ganz radikalen Lösung zugeführt hat, sehen wir Luzzatto eine durchaus abweisende Stellung einnehmen. Damit ist er lür jeden Anhänger der modernen Schule gerichtet, seine Exegese für jeden Kritiker von vornherein minderwerthig. Allein die vorgebrachten Einwände reichen zum Beweise dafür hin. dass Luzzatto auf die Gründe seiner 9 Das Problem des Buches Daniel war Luzzatto ganz unbekannt. 2) Ker. Chem. VIII, 85, vgl. Einl._zu Jes., S. 6 unten, 3) Ker. Chem. II, 121. 4) Ker. Chem. VIII, 85. e) Ker. Chem. das.