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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 469

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
Date
1900-01-01
Page
Seite 469 (sequence 10)
Language
German
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S. D. Luzzatto’s Stellung zur Bibelkritik. 469 persönlichen Gegner an greift, sich nicht über den Untergang eines Todfeindes freut, dass er vielmehr das System Babels treffen, seine Gewaltherrschaft geissein will und das thut mit der Entrüstung eines über Unthat und Rechtsbruch empörten sittlichen Menschen. Ebenso haben die Exegeten den Ton der letzten 27 Capitel missverstanden. Nicht Tröstungen an die unmittelbar unter dem Drucke des babylonischen Joches Seufzenden, sondern Prophetieen sind es, deren Abfassungszeit lange vor das Exil fällt. Und sollte selbst ihr Verfasser nicht Jesaia sein, an dem Charakter dieser Reden als Prophezeiungen kann das nichts ändern1). Das war allerdings der wesentliche Punkt in dem Streite: die gegentheilige Meinung der Gegner über das Wesen der biblischen Prophetie. Die rationalistische Theologie, die in den Propheten nur begeisterte, nicht aber inspirierte Gottesmänner sieht, spricht ihnen die Fähigkeit ab, die Zukunft im Einzelnen vorauszusagen und so bestimmte Züge wie den Namen des Befreiers Cyrus und des Schauplatzes der Befreiung vorherzuwissen. Nur wenn sie sich auf naheliegende Zeiten bezieht, kann die Prophetie Specielles vorherverkünden. Weitliegende, ins Einzelne gehende Prophezeiungen würde ja auch das Volk nicht haben verstehen können, wenn nicht alle mit prophetischem Geiste begabt gewesen wären. Luzzatto setzt dem gegenüber die verschiedenen Arten der Prophetieen auseinander. Wenn Jakob in seinem Segen voraussagt, dass Sebulun am Gestade des Meeres wohnen und sein Lager bis Sidon ausdehnen sollte, so verkündet er damit nichts Unverständliches: Desgleichen ist die Prophetie jenes alten judäischen Propheten: ״ein Sohn wird dem Hause Juda gehören werden, mit Namen Josia“ (IKön. 13,2) allgemein genügend verständlich. Es giebt auch derartige Prophezeihungen dunkleren Inhalts wie die an Abraham: ״Knechte werden deine Nachkommen sein 400 Jahre“, ans denen aber doch das Wesentliche, worauf es ankommt, für jeden klar und deutlich hervor gellt. Die Prophezeihungen des Deuterojesaia und ebenso die der aus gescliiedenen Kapitel aber sind gar nicht für die Oeffentlichkeit bestimmte und öffentlich gehaltene Reden, hingegen sind es Vorträge, die der Prophet ip ein Buch niederschrieb, damit sie den späteren Geschlechtern als Warnung und Mahnung dienten. So heisst es ja deutlich an der umstrittenen Stelle Jes. 34,16: ״Forschet ans dem Buche des Herrn und leset.“ ג) Hebr. Briefe, p. 348.

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