Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 9)
- Language
- German
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468 S. D. Luzzattö's Stellung zur Bibelkritik. 34) einem Propheten am Ende des Exils gehören. Rapoport hatte diese These angenommen, Krochmal hat sie öffentlich vertreten und aus dem Talmud zu erhärten versucht. Luzzatto ist im Prinzip nicht dagegen, einzelne Sätze oder ganze Reden eines Prophefcenbuches für unecht zu erklären, wenn diese Stücke etwa durch ein Versehen oder einen Zufall in jenes Buch hinein״ gerathen sein können. Der zweite Theil des Jesaia hingegen enthält Reden, die sich ausdrücklich als Voraussagungen darstellen, die die Ereignisse nur Unkundigen; der dort auftretende Prophet giebt sich den Anschein, dass er die Erlösung aus dem Exil lange vorher weissage. Dass nun eine solche Prophetie falsch sei, ist an sich nicht unmöglich, dass sie aber durch Jahrhunderte trotz der eifrigen Beachtung, die gerade jener Prophet fand, als echt gelten konnte, dass dieser Annahme niemals widersprochen wurde, das ist unergründlich, es sei denn, dass die TJnechtheit durch unwiderlegliche Gründe nachgewiesen wird. Krochmal hatte freilich aus der jüdischen Tradition die Zusammensetzung des Jesaia zu belegen gesucht. Die Reihenfolge der spateren Propheten in der bekannten Baraita des Talmud (Baba Batra 14b), Jeremia, Ezechiel, Jesaia, sollte beweisen, dass man schon damals den II. Theil des Jesaias für jünger als Ezechiel hielt. Aber diese Baraita ist nicht zuverlässig, und dann der I. Theil des Jesaia doch jedenfalls vor Jeremia zu setzen. Zweitens spricht Midrasch Yajjikra rabba dem Jesaia zwei Verse ab, aber darum dürfen wir doch nicht auf die Unechtheit eines ganzen Buches schliessen. Der Beweis ist also immer noch zu führen. Diejenigen der Kritiker jedoch sind haltlos. Der Sprachgebrauch ist kein ausreichendes und überdies ein unzuverlässiges Kriterium. Die Worte und Wendungen, welche von Gesenius als nur dem jüngeren Schriftthum angehörig beanstandet werden, linden sich vereinzelt auch in autlientischen Stücken des Pentateuchs und in den historischen Schriften oder sind durch den Inhalt der Reden bedingt. Ein zweites wichtiges Argument sollte der Ton dieser Prophezeihungen sein, in Jes. 13 Hass gegen Babel, in 40—66 Tröstungen des in der Gefangenschaft leidenden Volkes. Tn Jes. 13, der Prophezeihung wider Babel, hatte Gesenius dieselbe gehässige Gesinnung gegen dieses Land erblicken wollen, die im 137. Psalm zum Ausdruck kommt. Der Prophet muss die ganze Härte des babylonischen Druckes erfahren haben, wenn er den Sturz des Volkes mit solchem Hass bespricht. Mit feinem Takte bemerkt Luzzatto dagegen, dass der Prophet im Gegensatz zu dem Psalmisten den Babylonier nicht als