Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 467 (sequence 8)
- Language
- German
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S. D. Luzzatto’s Stellung zur Bibelkritik. 467 teuchs angesehen werden. Diese Uebersetzung ist auch nicht, wie Asaria de Eossi annehmen zu müssen glaubte, aus einer chaldäischen Paraphrase geflossen, vielmehr liegen uns im Texte der LXX einfache Schnitzer vor, die nichts Anderes beweisen als die Unfähigkeit ihres Uebersetzers 1). Bei den weiteren wörtlichen Versionen, wie z. B. Onkelos, müssen wir uns gegenwärtig halten, dass die Abweichungen in der Freiheit der Uebersetzung, nicht in einer andern Vorlage begründet sind. Hieronymus lag jedenfalls genau derselbe Text vor wie uns, aus Kennicott’s und de Bossi’s Untersuchungen geht hervor, dass alle Handschriften und alten Ausgaben denselben Wortlaut bringen, welcher der Massora zu Grunde liegt2). Dass die Varianten der Handschriften durch die Massoreten nur am Bande verzeichnet wurden, beweist, wie sorgfältig die heilige Schrift gehütet wurde, wie ängstlich man es vermied, den Text selbst zu ändern. Um die Halacha abzuleiten, that man so oft einem Verse Gewalt an, aber seinen Wortlaut liess man unangetastet3). Unter den Abweichungen zwischen Palästinensischen u. Babylonischen findet sich keine einzige aus dem Pentateuch, und selbst die Verschiedenheiten bei Ben Ascher und Ben Naftali betreffen nur die Punktation, nie den Consonantentext. Unmöglich konnte auch ein Buch, das von den berufenen Behörden zu allen Zeiten mit so ausgezeichneter Gewissenhaftigkeit behütet wurde, von unberufener Seite Veränderungen erfahren. Mit demselben Eifer und derselben Ausführlichkeit wie die Authentie des Pentateuchs verteidigt Luzzatto die Einheit des Propheten Jesaia. Was Ihn Esra geheimnissvoll angedeutet hatte, war von Bosenmüller und Gesenius zu der bekannten Theorie vom Deuterojesaia ausgebildet worden. Sprachgebrauch und Darstellungsform, die Schilderung der Zeitverhältnisse und der Ton der betreffenden prophetischen Reden dienten als Beweis dafür, dass der zweite Theil des Jesaia (Cap. 40—66) ebenso wie eine Anzahl von Abschnitten im ersten Theil (Cap. 13,24, ב) das. 2) Dasselbe Argument findet sieb in anderem Zusammenhänge auch bei Eichhorn, Einl. I, 380; II, 705ff. Luzzatto scheint die Einleitung nicht gekannt zn haben (vgl. Hehr Briefe, S. 227.), er hätte es sonst in keinem Falle unterlassen, die dort vorgetragene Astruc’sche Theorie von der Scheidung der Quellen nach dem verschiedenen Gebrauch der Gottesnamen zu bekämpfen. ף Oz. Nohm. IV, 52. 30*