Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 6)
- Language
- German
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S. D. Luzzafcto’s Stellung zur Bibelkritik. 465 Beziehungen nur mit den Kanaanitern und den Phöniziern zusammen, die beide stammverwandte Nationen mit ganz ähnlichen Sprachen waren; daher war weder ein Grund noch eine Veranlassung vorhanden, auf die hebräische Sprache verändernd einzuwirken. Thatsächlich hat auch die israelitische Nation von dem Augenblicke an, wo sie mit fremden Völkern mehr in Berührung kam, einen Rückgang in der Reinheit ihres Sprachguts zu verzeichnen; nach dem babylonischen Exil zeigt die hebräische Sprache deutliche Spuren des Verfalls1). Die Thora aber mit ihrem vollkommenen und edlen Sprachschatz ist das Product mächtig pulsirenden nationalen Lebens, sie muss der ältesten Zeit der israelitischen Geschichte entstammen. Darum konnten auch die Propheten die Bilder und die Wunder der Bibel als etwas Bekanntes und allgemein Verehrtes voraussetzen und in ihren Reden darauf verweisen, denn die ,Erzählungen der Bibel waren zur Zeit der Propheten als altbewährte üeberlieferringen geläufig, nichtaber, wie die Rationalisten behaupten, erst kurz vorher niedergeschrieben 2). Wiederholt nimmt Luzzatto Gelegenheit, eine besondere Abfassung des Deuteronomium zu bekämpfen. Wenn der Prophet Jesaia die grosse Anzahl von Rossen und Wagen der jüdischen Grossen tadelt (2,7), so knüpft Luzzatto daran die Bemerkung, der Prophet habe dies nur geissein können, weil das Verbot der Thora seit alten Zeiten bekannt und verbreitet war; keineswegs aber können diese Gebote erst zu Jesaias Zeiten oder kurz vorher aufgezeichnet sein. Auch wäre das Verbot der Vielweiberei bei dem Könige nicht zu erklären, da wir doch über keinen derKön ige Juda s hierauf bezügliche Klagen hören 3). D er ausführliche und klare Stil des Deuteronomium erklärt sich daraus, dass Mose es in hohem Alter geschrieben, wo der Mensch sich breiter und weitschweifiger auszudrücken pflegt4). Denn nicht an einem Tage haben wir die ganze Thora empfangen, sondern im Verlaufe von 40 Jahren, wie es ja auch nicht möglich gewesen wäre, einem Menschen ein Werk von solchem Umfange und so vielen Gesetzesvorschriften auf einmal zu Gehör zu bringen5). ף Einl. VII, VIII. 2) Comm. za Jes. 4,6 S. 69, 3) Comm. za Jes. 2,8 4) Ker. Chem. VII, 235. 6) Das. VIII, 85. Monatsschrift, 44. Jahrgang:. 30