Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 5)
- Language
- German
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464 vS. D. Luzzatio’s Stellung zur Bibelkritik. geschichtliche Theil Y0m gesetzlichen nicht za trennen; viele Gesetze gehen aus den Erzählungen erst hervor, so die sehr wichtigen über Sahhath, Erbfolge und die Bestrafung der Gotteslästerer. Die Thora ist vielmehr ein untheilbares Ganze. Das beweist auch Josua’s Hinweis auf das ספר תורת ד׳ (Jos. 24,26), wo ebenfalls Geschichtliches verzeichnet wird1). Wichtiger ist folgender Einwand. Bei der grossen Verehrung für Mose würde in Israel nie geduldet worden sein, dass einem Werke Mosis Erzählungen Anderer einverleibt worden wären. Die Annahme von besonderen offiziellen Schreibern und Geschichtserzählern ist aber ganz haltlos und durch die Schrift nicht zu belegen. In der Bibel wird Moses selbst beauftragt, gewisse Ereignisse niederzuschreiben, nicht aber sie von einem Andern aufzeichnen zu lassen. Der Beweisgrund, dass von Moses in der dritten Person geredet werde, entfällt ganz, da dieselbe Thatsache bei anderen authentischen und unangreifbaren Schriftsteilem bekannt sei und sich überdies im gesetzlichen Theile des Pentateuchs in derselben Weise beobachten lasse wie im erzählenden. Die mangelhafte Ordnung in der Beihenfolge der Erzählungen des Pentateuchs ist ebenfalls nicht beweiskräftig, da gerade besonders hierzu berufene Geschichtsschreiber die Zeitfolge sorgfältig hätten beachten müssen. Bich. Simon muss, um dies zu widerlegen, zur Annahme von Interpolationen seine Zuflucht nehmen, womit er aber doch die Authentie des Pentateuchs indirect zugiebt, denn nur in einer echten Schrift kann von Einschaltungen gesprochen werden2). Deutsche Orientalisten folgern aus der Einförmigkeit der hebräischen Sprache von Moses bis Nehemias, — eine Thatsache, die in der Geschichte der Sprachen ohne Analogie geblieben ist, — dass der Pentateuch einige Jahrhunderte jünger sein müsse, als die Ueberlieferung besagt. Luzzatto macht gegen dieses gewichtige Argument auf die Eigenartigkeit in der EntwickelungundLebensführung des israelitischen Volkes aufmerksam. Nur die Sprachen solcher Völker werden in ihrem Wesen verändert, die durch feindliche Invasion gezwungen werden, in einem anderen Volksthum aufzugehen, oder die durch den ständigen Verkehr befreundeter Nationen mit ihnen stark in Berührung und Vermischung kommen. Das jüdische Volk hingegen führten seine ף Einleit. III. 2) Einl. S. VI.