Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- S. D. Luzzatto's Stellung zur Bibelkritik
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 4)
- Language
- German
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S. D. Luzzatto’s Stellung zur Bibelkritik. 463 nicht unstatthaft erscheinen; seine Ueberzeugung gründete sich vielmehr gerade auf genaue Untersuchung der Sache, nur dass sie von einer anderen dogmatischen Anschauung, von einer anderen Auffassung der Prophetie und der Wunder ausging, eine Ueberzeugung, die in ihm lebte ,,auf Grund jener echten Kritik, die Wahrheit sucht und vor nichts zurückweicht1)“. ״Die reine Wahrheit suche ich; fern sei es von mir, etwas zu glauben, von dessen Unwahrheit ich überzeugt bin, nie würde ־ich verstockt bei meiner Ansicht verharren2).“ Sehen wir zunächst, wie Luzzatto die Authentie des Pentateuchs verteidigt. Er bekämpft vor allem zwei Ansichten, die des Pater Eich. Simon über die Trennung des gesetzlichen vom historischen Theil des Pentateuchs und diejenige seiner Zeitgenossen über die besondere Entstehung des Deuteronomiums. Der Ursprung dieser schlechten Kritik geht für ihn auf Spinoza zurück; durch die Verbreitung der Ideen dieses Philosophen hat sich die Zahl derer vermehrt, die in ihrem Dünkel die Thora zu fälschen sich erkühnten und behaupten, nicht Mose habe sie geschrieben, sondern erst viele Geschlechter später, nachdem die Erzählungen bereits im Munde der grossen Massen entstellt waren, seien sie in ein Buch zusammengefragen worden3). Er aber, so fährt er fort, sei in allen seinen Schriften bemüht, das Alter der Thora sowie die Wahrheit unserer Propheten nachzuweisen4). Am ausführlichsten spricht Luzzatto natürlich über diese Fragen in seiner Einleitung zum Pentateuch, die er im Jahre 1829 für seine Hörer niederschrieb, die aber erst 1871 nach dem Tode des Verfassers als Einleitung zu seinem nachgelassenen Pentateuch-Commentar an die 0Öffentlichkeit trat5}. Der Pentateuch bis auf die letzte Erzählung vom Tode Mosis — das ist die Ansicht, die Luzzatto bis an sein Ende vertrat — stammt, wie er uns vorliegt, von dem grossen Propheten. Rieh. Simon’s Meinung, dass von Mose selbst nur der gesetzliche Theil herrührt, der geschichtliche hingegen verschiedene Verfasser habe, berufsmassige Historiographen, ist' unhaltbar. Zunächst ist der x) Brief an Kirchheim in dessen כרמי שומרון, p. 109. 2) Ozar Nechin. IY, 48. a) כרמי שומרון, p. 109. 4) ebendas. 5) ־Auch besonders erschienen unter dem Titel ״Introduzione critica et ermeneutica al Pentateuco“, Padova, Sachefcti.