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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 448

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 448 (sequence 16)
Language
German
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448 Die rituellen Reinheitsgesetze in de! Bibel und im Talmud. Infection an 1). Nach dem Avesta, verliert ein von einem Hunde oder Raubvogel fortgeschlepptes Stück einer menschlichen Leiche seine Infectionskraft2 3), nach der Bestimmung der Halacha dagegen bleibt das Stück einer Leiche, selbst wenn es von einem Hunde oder Vogel verschlungen wird, eine Quelle der Unreinheit8). Im Avesta findet sich folgende Be- Stimmung: Wenn auf einer Bank neben einer menschlichen Leiche Männer oder Frauen sitzen, so ist, je nach der gesellschaftlichen Stellung des Todten, die Zahl der Inficirten eine verschiedene. ״War es ein Priester, so wird der böse Geist (Drukhs-Nafos) von ihm auf zehn Personen übergehen — mit Fäulniss, Auflösung und Schmutz; war es ein Krieger, so wird er auf neun Personen übergehen; war es ein Landmann, so wird die Unreinheit nur auf acht Personen übergehen; war es die Leiche eines Hundes, der zum Vieh gehört, so wird die Unreinheit nur auf sieben Personen übergehen u. s. w.“ Was die Leiche eines Daevayafna d. h. eines Dämonenverehrers, Ungläubigen anbetrifft, so inficirt sie, nach der Lehre des Avesta, überhaupt nicht. Der Daevayafna ist zu Lebzeiten unrein, aber nicht nach dem Tode4). Die alte Halacha dagegen macht keinen Unterschied zwischen der Leiche eines Juden und Nichtjuden und nimmt nicht die geringste Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung des Todten5 * *). Die Halacha erkennt überhaupt ausserhalb des Zeltes keine Distanzinfection an. Wenn auch zugegeben werden soll, dass nicht alle angeführten Halachoth ihre Entstehung der bewussten Tendenz verdanken, der Verbreitung persischer Gebräuche im Volke entgegenzuwirken, wenn ferner sogar angenommen werden soll, dass der Gegensatz, den wir zwischen einigen Halachoth und den 1i Mischna Kelim XV, 1. 2) Fargard V, 1—15. 3) Miscbna Ohalotk XI, 7. Fargard V, 83ff.; Fargard VII, 7ff. 5) Von einemGesetzeslehrer des II. nachcliristl. Jahrhunderts, R. Simeon hen-Jochai, ist die (von seinen Collegen übrigens nicht adoptirte) Meinung ausgesprochen worden, dass die Zeltinfectiön auf Heiden keine Anwendung findet und-dass daher die Gräber yon Heiden ebenfalls nicht inficiren (Jebamoth 61a). Schorr, welcher in jeder talmudischen Phrase Einfluss des Parsismus wittert, zweifelt nicht daran, dass die angeführte Ansicht R. Simeons eine directe persische Entlehnung sei. Trotz einiger Aehnlichkeit, weLche der gegebene Fall zeigt, halten wir dennoch einen Einfluss des Parsismus auf die Anschauung R. Simeons für unwahrscheinlich. Wir sagen ״einige Aehnlichkeit“, weil R. Simeon den heidnischen Leichnam nur von der Zeltinfektion ausschliesst, dabei aber

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