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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 447

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 447 (sequence 15)
Language
German
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Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. 447 Concession konnte um so leichter gemacht werden, da um diese Zeit (1. nachchristl. Jahrh.) der Einfluss des Mazdaismus auf das Judenthum nicht zu befürchten war. Der Mazdaismus war damals in Persien selbst im Verfalle, und in Judäa stand das Volk schon lange nicht mehr in Verkehr mit dessen Anhängern. Ich werde nicht lange bei den übrigen Divergenzen der alten Halacha und der Lehre des Avesta verweilen, um so mehr, da in den meisten Fällen die alte Halacha ganz auf dem Boden des biblischen Textes steht, und die Bibel, wie wir schon früher gezeigt haben, sowohl in den Grundprincipien, wie in den Details dem Avesta diametral entgegengesetzt ist. Aber selbst in den einfachen Deutungen und Bestimmungen der Halacha blickt die Tendenz durch, die Unterschiede zwischen der jüdischen Institution der rituellen Reinheit und der persischen in hervorstechender Weise zu betonen. Hier einige Beispiele. Nach dem Avesta kann die Reinigung nur von einem gelehrten Priester (Athrava) vollzogen werden, während der Laie, der die Procedur vollbringt, der Todesstrafe unterliegt1). Die alte Halacha dagegen bestimmt, dass Jedermann, selbst der Minderjährige und Blödsinnige, das Besprengen mit dem Reinigungswasser vollziehen kann2). Das Avesta stellt eine Taxe für die Reinigung auf und zwar je nach der gesellschaftlicken Stellung der der Reinigung unterliegenden Person, während die Halacha im Gegensätze hierzu unbedingt fordert, dass die Reinigung unentgeltlich geschehe3). Nach dem Avesta sind lebende Pflanzen, wie z. B. Bäume, und nicht geschnittenes Getreide inficirbar4), nach der Bestimmung der Halacha sind sie es nicht5;. Nach dem Avesta. sind Holzstücke, selbst unbearbeitete, inficirbar, und daher mussten die Baresmabündel sorgfältig vor jeder Infection bewahrt werden6), nach der Lehre der Halacha dagegen nehmen einfache Holzstücke keine ג) Vendidad, Fargard IX, 172-180. 2) Mischna Para XII, 10. 3) Mischna Bechoroth IV, 6. Der Text lautet wie folgt: Wer für Vergeltung Recht spricht, dessen Entscheidungen sind ungiltig; wer für Vergeltung Zeugniss ablegt, dessen Zeugniss ist nichtig; wer für die Zubereitung des Lustrationswassers und das Besprengen mit demselben Vergeltung nimmt, dessen Wasser ist gleich Höhlenwasser und dessen Asche gleich Asche vom Herde (d. h. sie sind untauglich und wirkungslos)“. ף Fargard VII, 93. 5) Siphra ad Levit. XII, 37. 6) Baresma oder Barsom bezeichnet das Bündel geweihter Zweige, welches der Priester während der Opferceremonie in der Hand hält.

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