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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 444

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. Zahlen drei ־and nenn, welche so oft im Talmud hei den hierhergehörigen Gesetzen wiederholt werden? Alle diese Fragen bildeten schon längst ein dankbares Thema für die Commentatoren des Talmuds und boten ihnen reichlichen Stoff für verschiedene künstliche und phantastische Hypothesen, die wir weder anführen, noch widerlegen wollen. Die erwähnten Bestimmungen werden verständlich und erhalten einen vernünftigen und zweckmässigen Sinn, wenn man sie mit den Reinigungsproceduren vergleicht, welche im Avesta vorgeschrieben werden. Es sei hier nochmals daran erinnert, dass im Avesta das Wasser, ebenso wie Erde und Feuer, als heiliges Element angesehen wird, das vor jeder Unreinheit sorgfältig bewahrt werden muss. Daher ist es dem Unreinen streng untersagt, nicht nur sich im Wasser unterzutauchen, sondern auch nahe an dasselbe heranzutreten. Im Talmud wird erzählt, dass, als nach dem Falle der parthischen Dynastie und der Wieder״ herstellung des nationalen Reiches durch die Sassaniden der Eifer für die Zoroastrische Religion besonders erstarkte, den Juden in Persien, die Todtenbestattung, die rituelle Waschung und das rituelle Schlachten verboten wurden1). Die beiden ersten Verbote bedürfen keiner Erläuterung, das dritte Verbot erfolgte, nach der Erklärung des Talmuds, wegen der ״Darbringungen“ (מפני המתנות), d. 11. desswegen, weil die Perser von jedem geschlachteten Thiere gewisse Theile verlangten, um sie dem heiligen Feuer darzubringen 2), was vom jüdischen Gesetze als götzendienerisch strengstens verboten wird. Aber obgleich bei den Persern das Untertauchen eines unreinen Menschen im Wasser als Verbrechen galt, so diente bei ihnen dennoch, nach dem Kuhurin, das Wasser als hauptsächlichstes Reinigungsmittel, nur durfte die Reinigung vermittelst desselben nicht in Form eines Tauchbades, sondern musste durch drei — oder neunmaliges Besprengen geschehen. Ueberhaupt spielt die Zahl drei und deren Vervielfältigungen eine sehr wichtige Rolle in der Symbolik des Avesta, besonders das Quadrat der Zahl drei — neun. Von dieser Zahl wimmelt es förmlich im Vendidad, namentlich im Reinigungsritual. Eine fernere Bedingung der persischen Reinheitsprocedur bestand darin, dass nicht der ganze ג) Jebamoth. 63b. *) Vgl. Schorr, ha-Chaluz VIII, S. 80.

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