Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
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Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. 443 der Verbreitung persischer Gebräuche im jüdischen Volke entgegen zuwirken. Die Bibel empfiehlt Wasser als Reinigungs־־ mittel, wobei immer das Verbum רחץ gebraucht wird. ,,Und er bade (oder wasche) sich in Wasser und er wird rein sein “ oder ״er bade (oder wasche)seinenLeib im Wasser und er wird rein sein. “ "־"ורחץ את בשרו במים וטהר Das Verbum רחץ bedeutet ebensowohl ״waschen“ wie ״baden“. Vom rationellen Standpunkte aus ist es natürlich gleichgiltig, ob der Unreine in einem Wasserbassin (מקוה) ein Tauchbad nimmt, oder ob er mit Wasser übergossen wird. Die Esra zugeschriebene Verordnung fordert jedoch unbedingt ein Tauchbad טבילה• Ja, noch mehr. Auf Grund dessen, dass es in der Bibel einmal heisst: ״Und er bade seinen ganzen Leib im Wasser“, wurde festgestellt, dass das Bassin unbedingt soviel Wasser enthalten müsse, wieviel erforderlich sei, dass ein Mensch mit einem Male seinen ganzen Körper von den Zehen bis zum Scheitel untertauche, nämlich drei Kubikellen oder vierzig ״Sea“ (1(סאה)• Aber dabei blieb man nicht stehen, sondern man ging noch weiter. Der in ritueller Beziehung Unreine, welcher mit neun ״Kab“ (קבין) Wasser übergossen wurde, und der völlig Reine, dessen *Haupt und Körper mit drei ״Log“ (2(לוג) Wasser übergossen wurden, haben nicht das Recht, sich am öffentlichen Gottesdienste zu betheiligen, ehe sie nicht ein rituelles Tauchbad in einem Wasserbassin von vierzig ״Sea“ genommen haben. Endlich wurde festgesetzt, dass, wenn in eine natürliche Wasserquelle aus einem Geschirr, nach der Meinung einiger, neun ״Kab“ Wasser, nach der anderer, auch nur drei ״Log“ hineingegossen werden, die Quelle rituell unbrauchbar werde. Letztere Bestimmung führen Hille] und Schanimai im Namen ihrer Lehrer Scheinaja und Abtalion an, welche zur Zeit der letzten Hasmonäer gelebt haben; folglich sind alle diese Bestimmungen sehr alten Ursprunges. Welchen Sinn nun hatten diese dem Anscheine nach vollkommen zwecklosen Bestimmungen, welche Rolle spielten hierbei die 1) L. Herzfelcl (Metrologische Voruntersuchungen §§ 21 11. 50) weist nach, dass, im G-egensatze zu allen anderen talmudischen Normen, hn gegebenen Falle als Norm die grosse persische Elle von 525 Millim. anstatt der gewöhnlichen jüdischen Elle von 443,6 Millim. angenommen wurde. Dient nicht dieser Umstand zum gewissen Theile als Beweis dafür, dass die in Rede stehende Bestimmung in die persische Periode der jüdischen Geschichte hinaufreicht? 2) Log ist ein Flüssigkeitsmass, welches 6 Hühnereiern gieichkommt und dem römischen sextarius entspricht. Kab 4 Log.