Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 436

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 436 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829741-2829751-2882989--30241-2883004
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

436 Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. ־ Vergleicht man die religiöse Physiognomie des jüdischen Volkes, wie sie sichin den Literaturdenkmälern derMakkabäerepoche abspiegelt, mit derjenigen, welche die biblische Gesetzgebung ihm zu verleihen bestrebt war, so wird man gestehen müssen, dass die Wirklichkeit alle Erwartungen des Gesetzgebers übertroffen hat. Die Mosaischen Gesetze wurden dem Volke gegeben, dass es ״lebe durch sie“ הוחי בהם aber die Männer der grossen Synagoge haben es verstanden, das Volk so zu erziehen, dass es nöthigenfalles auch für sie zu sterben im Stande war. Das Volk hat es zur Zeit der Antiochenischen Verfolgungen zur Genüge bewiesen. Wer waren jene Männer? Was hat jeder von ihnen zu dieser Gesammtarbeit beigesteuert? Welches war ihr Verhältniss zu den officiellen Vertretern des Volkes, den Hohenpriestern? Heber alles dieses haben sich keine Nachrichten erhalten. Die Geschichte hat uns bloss die Summe der zweihundertjährigen Thätigkeit dieser grossen Anonymen aufbewahrt, und auch dieses nicht in schriftlichen Documenten, sondern in der Gestalt des lebendigen Volkes mit seinen fest ausgesprochenen Ueberzeugungen und Gewohnheiten. Der Mangel directer Daten über die Thätigkeit der sogenannten grossen Synagoge, der Mangel jedweder Nachrichten über sie bei Elavius Josephus hat bekanntlich Zweifel an ihrer Existenz als einer officiellen Corporation mit bewussten Zielen und bewusster Thätigkeit hervorgerufen. Alles, was nach der Tradition seinen Ursprung von der grossen Synagoge herleitet, wird von den Historikern dieser Schule entweder der unbewussten, so zu sagen, elementaren Thätigkeit des ganzen Volkes, oder aber der Initiative von Personen und Institutionen späterer Epochen,der der Pharisäer andTannaiten, zugeschrieben 1). Es kann hier nicht unsere Absicht sein, in eine Untersuchung dieser höchst interessanten Frage einzugehen, wir wollen bloss auf einige Punkte in der weiteren Entwickelung der Institution der rituellen Reinheit hinweisen, welche einerseits der persischen Epoche der jüdischen Geschichte zugewiesen werden müssen und andererseits den offenbaren Stempel bewusster Initiative an sichtragen. Für unsere Zwecke ist es vollkommen gleichgültig, ob die Männer der grossen Synagoge eine von den persischen Machthabern und den jüdischen Hohenpriestern officiell anerkannte Körperschaft bildeten oder nicht; wahrscheinlich wolil x) Die reiche Litteratur über diese Frage findet man verzeichnet bei E. Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes II, S. .291 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.