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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 9 · p. Seite 435

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 9
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 435 (sequence 3)
Language
German
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Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. 4B5 Gesetze genommen hat. In der eigenartigen altjüdisclien Theokratie konnten, wie schon früher bemerkt, Gesetze existiren, in denen beide Motive, das ntilitäre und das symbolische, friedlich neben einander bestanden. Aber diese ideale Theokratie hat eigentlich nie ihre volle Verwirklichung erlangt — sie blieb eben nur ein Ideal. Man wird doch wohl kaum im Ernste von einer im biblischen Sinne bestehenden Ordnung zur Zeit Gideons, Simsons und der anderen Richter sprechen können. Was die Königsepoche anbetrifft, so finden wir zwar, die rituelle Reinheit anbelangend, in der Heiligen Schrift einige Hinweise darauf, dass diese selbst mitten in dem tief im Heidenthume steckenden Israelitischen Reiche beobachtet wurde1), aber es waren dies Gebräuche, welche jedenfalls nicht in geringster Beziehung zur Grundidee der Mosaischen Lehre standen. Es gab jedoch in der Geschichte des jüdischen Volkes eine Epoche, wo die Tliora eine gewisse Möglichkeit hatte, ihre Macht zu entwickeln. Es war dies die sogenannte Epoche der grossen Synagoge (ל(כנםת הגדולה welche den Zeitraum von der Rückkehr eines Theiles des jüdischen Volkes unter Esra und Nehemia bis zur Unterwerfung des Persischen Reiches durch Alexander von Macedonien umfasst. Aus dieser Zeit haben sich zwar nur sehr wenige schriftliche Denkmäler erhalten, nichts destoweniger darf vermuthet werden, dass sie eine höchst fruchtbare, folgenreiche Epoche gewesen ist, während welcher der in den Principien der Mosaischen Lehre erzogene Volksgeist derartig erstarkte, dass er später einen lange währenden Kampf um seine Existenz aufnehmen und bestehen konnte. Die Perser kümmerten sich im Allgemeinen wenig um die inneren Angelegenheiten der ihnen unterthänigen Völker, und in dem fast an der äussersten Grenze der Monarchie gelegenen Judäa machte sich die Abhängigkeit von den Persern am wenigsten fühlbar. Die Macht der Thora war somit durch keine äussere Gewalt beschränkt. Die Einfachheit und Schlicht־ heit des Lebens im damaligen Judaea entsprach noch vollkommen der Einfachheit und Erhabenheit der alten Gesetze. Die gesetz־ geberisehe Thätigkeit der grossen Synagoge bestand daher nur in der Deutung der alten Gesetze, zu Correctivnormen jedoch war fast noch keine Nothwendigkeit vorhanden. ג) Reg. H, c. YII, 8. 28*

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