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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 399

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 399 (sequence 15)
Language
German
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Dio rituellen EeinJieitsgesetzc in der Bibel und im Talmud. 399 mit Unwillen diese Proposition von sich weisen. Denn ausser seiner ursprünglichen Bestimmung als Trinkgefäss erscheint dieser Pokal in seinen Augen als das Symbol einer ganzen Ideenreihe höherer Ordnung. Auf dem Pokale sind verschiedene Zeichnungen und Figuren einciselirt. Diese Zeichnungen erinnern ihn symbolisch an verschiedene Episoden aus der Geschichte der Beziehungen seiner Ahnen zu ihrem Freunde und Beschützer. Der Sinn der Figuren ist ihm nicht ganz klar, er zerbricht sich zmveiien stundenlang den Kopf, um ihre Bedeutung zu errathen, aber er wird sich ungerne dazu verstehen, sie zu vertilgen und durch neue ersetzen zu lassen. Der Gesetzgeber selbst motivirt die Vorschriften über rituelle Reinheit und Enthaltsamkeit von unreiner Speise• durch die Idee der ״Heiligkeit‘c. ״Seid heilig, denn ich bin heilig“ oder ״denn ein heiliges Volk bist du dem Ewigen, deinem Gotte1)“. Das biblische קדש hat ganz dieselbe Bedeutung, wie der Begriff ״heilig“ bei uns jetzt. Es bezeichnet etwas Ideelles, Geistiges, etwas, was über den alltäglichen, materiellen Interessen des Menschen steht. Wie hoch wir auch den Werth der menschlichen Gesundheit ansc-blagen, wie sehr wir auch von der Sentenz ״mens sana in corpore sano“ durchdrungen sein mögen, das gäbe uns dennoch nicht das Recht, die Sorge um das individuelle Wohlbefinden als etwas ״Heiliges“ zu bezeichnen. Wie oft geschieht es, dass Leute, welche mit der grössten Sorgfalt auf ihre persönliche Gesundheit bedacht sind, aller ideellen Bestrebungen und jedes höheren, geistigen Aufschwunges baa-r sind. Aber eben so oft nimmt man das Umgekehrte wahr: Leute, welche ihr ganzes Leben dem Dienste einer Idee geweiht haben, kümmern sich nicht im Geringsten um die Interessen ihres vergänglichen Leibes. Warum, fragt es sich daher, wird die Enthaltung von dieser oder jener Speise von dem biblischen Gesetzgeber mit dem Begriff der Heiligkeit verknüpft? Als Antwort auf diese Frage kann zum Theil die Erklärung gelten, welche Maimonides für die Speisegesetze überhaupt aufgestellt hat2). Indem die Thora den Menschen daran gewöhnt, im Gebrauche seiner Speise wählerisch zu sein und ihn veranlasst, sich gewisser Arten derselben zu enthalten, selbst wenn das Gefühl des Hungers ihn übermannt, will sie ihn zur ף Levit. XI 44. 45; Deuteron. XIV, 21. 2) Moroh has-Nebuchim III, c. XXXIII.

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