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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 396

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
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31)<ר Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. Kuli, selbst der vom Milzbrand behafteten, nicht inficirt? Oder ein anderes Beispiel: wenn der Leichnam eines Menschen oder eines Hundes in Messendes Wasser gefallen ist, so wird das Wasser ringsum den'Leichnam nach einer gewissen Entfernung hin unrein und zwar so, dass die Unreinheit nach der untern Strömung hin sich blos auf drei Schritte, nach der obern Strömung hin jedoch sich auf neun Schritte ausdehnt, — vom rationellen Standpunkte aus hätte man, scheint es, gerade das Gegentheil erwarten sollen. Das Verschwinden der rationellen Motive irgend welcher religiöser Gebräuche weist, wie schon früher dargelegt worden ist1), immer auf ein späteres Entwickelungstadium der betreffenden Gebräuche hin; die biblischen Gesetze über rituelle Reinheit, welche ihren rationellen Charakter fast noch ganz beibehalten haben, müssen daher in ein verhältnissmässig früheres Entwickelungsstadium hinaufreichen. Jedenfalls macht dieser radicale Unterschied zwischen den Reinheitsgesetzen der Israeliten und denen der Perser die Vermuthung einer Ent־ lehnung seitens der ersteren von den letzteren vollständig unmöglich. Wäre dem so, so Hesse es sich schwerlich begreifen, auf welche Weise und kraft welcher kulturhistorischer Processe die persischen religiösen Gebräuche bei den Israeliten sich derartig modificirt haben, dass sie alles Phantastische, alles Unerklärliche abgestreift und den. Charakter nicht mehr religiöser, sondern medicinischer Vorschriften angenommen haben. Für eine derartige Umformung fremder Gesetze bedarf es weit grösserer Ursprünglichkeit als für die Neuschaffung ähnlicher Gesetze. Eigentlich ist der Unterschied zwischen den beiden Instit-utionen weit grösser und schärfer, als die Aehnlichkeit zwischen ihnen. Indess stösst man bei einer Vergleichung beider Ge־ setzgebungen zuweilen auf derartige ähnliche Züge, dass man sich des Gedankens einer Entlehnung seitens des einen oder des andern Theiles schwer erwehren kann. So z. B. sind nach dem mosaischen Gesetze Nahrungsstoffe nur im feuchten Zustande infektionsfähig, während sie in trockenem Zustande keine Infektion annehmen2). Wir haben bereits den sanitären Sinn dieser Bedingung, welcher auch jetzt noch seine Bex) Oben Abschnitt III, nach Tylar und Maine. In einem der folgenden Abschnitte kommen wir noch auf diese kulturhistorische Erseheinung zurück. — a) Levit. XI, 34. 38.

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