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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 394

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud, das Weib in der Menstruationsperiode und endlich, die ab־־■ geschnittenen Haare und Nägel des Menschen 1). Für das XIII. und XV. Capitel des Leviticus, in denen eine ganze Reihe von Haut- und anderen Krankheiten beschrieben wird und welche uns durch ihre eingehende und feine Symptomatologie so sehr frappiren, für diese Capitel würden wir vergebens das entsprechende Original im Vendidad suchen2). Auf diesem Gebiete kann somit von einer Entlehnung seitens der Bibel nicht die Rede sein, wenigstens so lange nicht die Quelle entdeckt ist, welche der Bibel als Original hätte dienen können. b) Feuer, Wasser und zum Theil Erde sind nach dem mosaischen Gesetze die wichtigsten Reinigungsmittel. Diese Elemente bilden auch in der modernen Medicin die hauptsächlichsten Desinfectionsagentien. Feuer und Wasser fürchten Unreinheit nicht, sie nehmen sie nicht blos nicht an, sondern im Gegentheil, zerstören sie. Gerade das Umgekehrte sehen wir im Avesta. Dort besitzen diese Elemente nicht nur keine Reinigungskraft, sondern sind selbst fähig, Infectio nanzunehmen. Und dieses ist vollkommen begreiflich. Da die Unreinheit im Avesta etwas Sjunbolisches und somit physisch Unzerstörbares repräsentirt, und da die Gesetze über Unreinheit sich in Persien auf dem Boden des Cultus von Kräften und Elementen der Natur entwickelt haben, so mussten Erde, Feuer und Wasser als Gottheiten, als heilige Elemente ganz besonders vor jeder Berührung mit den Quellen der Unreinheit bewahrt werden. Daher das strenge Verbot Leichname von Menschen und Hunden 1) Vendidad, Fargard XV, 1—15. Das Wochenbett, das nicht selten mit septischen Erkrankungen verbunden ist, gilt in dem Avesta an und für sich nicht als Quelle der Unreinheit. Im Fargard V (Y. 130—164) werden zwar die Gesetze der Unreinheit der Wochenbettsperiode ausführlich dargelegt, aber es handelt sich dort um einen Abortus oder die Geburt eines todten Kindes und bezieht sich also vielmehr auf Leichenunreinheit. 2) Der einzige, übrigens sehr dunkle Hinweis auf irgend welche Flecken auf der Haut des Weibes oder den Wänden des Hauses findet sich in dem oben citirten Fargard, Y. 166. Aber da dieser Flecken sonst nirgends erwähnt wird, so bin ich geneigt in diesem Verse eine spätere, vielleicht unter dem Einflüsse der Bekanntschaft mit der Bibel gemachte Interpolation anzunehmen. Nach der Deutung Schorr’s (ha־Chaluz VIII, S. 16) ist hier von Menstruationsflecken und Wunden der Geschlechtssphäre die Rede, und hat die betreffende Stelle somit keinen Bezug auf die biblische Zara’ath.

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