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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 393

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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Die rituellen Reinheitsgesetze in cler Bibel und im Talmud. 393 die Beobachtung von Gesetzen der rituellen Reinheit durch die alten Parsen von griechischen Schriftstellern der vormacedonisehen Periode, wie Herodot, Aristoteles u. a., bezeugt, wobei ihre Zeugnisse itn Ganzen sich mit den Vorschriften des Vendidad decken1). Folglich bleibt die von uns am Eingänge dieses Capitels aufgeworfene Frage: von welcher Seite hat die Entlehnung stattgefunden? eine offene. Vor Allem aber will es uns scheinen, dass, ausser den beiden auf diese Frage vorauszusetzenden Antworten, noch eine dritte möglich sei, nämlich, dass weder von Seiten des einen, noch des andern Volkes Entlehnung stattgefunden habe2). Wir haben früher gesehen, dass die Institution der rituellen Reinheit durchaus nicht eine ausschliessliche Eigenthümlichkeit der mosaischen oder zoroastrischen Religion bildet; sie findet sich in mehr oder weniger entwickelter Form in allen anderen Religionen des Alterthums. Wenn aber einmal angenommen werden soll, dass eine von diesen beiden Religionen die in Rede stehende Institution der andern entlehnt hat, so kann dieses doch nur von der Zoroastrischen Religion gelten, keineswegs aber umgekehrt. Zu dieser Ueberzeugung führt uns die genaue Analyse dieser Institution in beiden Gesetzgebungen. Es ist bisher viel über die Aehnlichkeit zwischen der mosaischen Institution cler rituellen Reinheit und der Zoroastrischen gesprochen worden. Es dürfte aber nicht überflüssig sein, auch auf die fundamentalen Unterschiede zwischen ihnen die Aufmerksamkeit zu lenken. Diese Unterschiede werden, wie uns scheint, besonders dazu dienen können, das gegenseitige Verhältniss cler beiden Gesetzgebungen zu einander ins klare Licht zu setzen. a) Als Quellen der Unreinheit gelten nach der Bibel: Tod, Krankheit und gewisse physiologische Processe der Geschlechts- Sphäre. Vom rationellen Standpunkte aus inficirt der lebende, von einer Krankheit behaftete Mensch zuweilen nicht weniger als der Leichnam. Der Vendidad weiss indess von der Infectionskraft cler Krankheit nichts; als einzige Quellen der Unreinheit gelten dort: Der menschliche Leichnam (und zwar nur cler Leichnam des Rechtgläubigen) oder der des Hundes, sodann 1-) Herodot 1, 183. Letzterer erzählt unter andern!, dass Darius einst sich weigerte, durch ein Thor in Babylon zu passiren, weil unter dem Thore das Grabmal der Königin Nitokris sich befand. 2) Eine ähnliche Ansicht wird übrigens schon von Schorr a. a. 0. ausgesprochen.

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