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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 392

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. giltige Redaction aber erhielt das Avesta zur Zeit Ardaschir Babakan’s (211—241 p. Ch. 11.), welchei den Oberpriester Tansar beauftragte, das Avesta zu ordnen und zu ergänzen 1). Wenn aber die ßedaction des Avesta erst nach vierhundertjähriger Herrschaft der Griechen in Iran stattgefunden hat, wenn sie mit derjenigen Epoche zusammenfällt, in welcher die heidnische Welt ganz besonders zum Judenthume liinneigte 2), so kann schon a priori erwartet werden, dass in dem Sammelwerk, welches auf Grund von schriftlichen und mündlichen Traditionen veranstaltet wurde, der hellenischen und jüdischen Welt entlehnte Elemente nicht die letzte Stelle einnahmen. Darm steter ist es wirklich gelungen, den merklichen Einfluss des Platonismus, wie er in dem apokryphischen Buche ״die Weisheit SalomoV£ und in den Werken Philon’s zum Ausdrucke gelangte, auf das Avesta uachzuweisen. Was speciell die Frage von der Aehnlichkeit zwischen den Erzählungen der Bibel und des Avesta über die Erschaffung der Welt und der ersten Menschen anbetrifft, so ist Darmsteter, unabhängig von den oben angeführten allgemeinen Erwägungen, bloss auf Grund einer eingehenden Analyse der Erzählungen selbst, zum Schlüsse gelangt, dass die Bibel den Verfassern oder Bedactoren des vesta als Original gedient hat, nicht aber umgekehrt3). Durch die bisher erwähnten Erwägungen wird indess die Frage von dem gegenseitigen Verhältnisse von Bibel und Avesta hinsichtlich der Gesetze der rituellen Reinheit nicht gelöst. Selbst Darmsteter sieht sich zur Annahme veranlasst, dass der gesetzliche Theil des Avesta, der Vendidad, in welchem über die Reinheitsgesetze gehandelt wird, zu den ältesten Denkmälern des Mazdaismus gehört. Abgesehen davon wird 0 Darmsfcefccr op. c. p. XXI, XXIV. Tn dem aufgefundenen Briefe des Priesters Tansar an den König von Tabaristan schreibt der eifrige Restaurator des Mazdaismus Folgendes: Du weisst, dass Alexander sämmtlichc Bücher unserer religiösen Gesetze, welche auf 12000 Ochsenhäuten geschrieben waren, durch Feuer vernichtet hat. Eine grosse Anzahl von Legenden, Traditionen, Gesetzen, Vorschriften waren vollständig in Vergessenheit gerathen .... Es war daher eine That der grössten Notlrwendigkcit, dass ein weiser und tugendhafter Mann die Religion wieder her gestellt hat (nämlieh Ardashir). Ihid. p. XXX. 2) Eben in diese Zeit fällt die Annahme des Judenthiuns durch den Fürsten von Adiabene, Izates, und seine Familie, welchem der oben erwähnte Vologases I. deswegen den Krieg erklärt hat. 3) Op. eit pp. LXII—LXII.

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