Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 391

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829741-2829750-2882925--30187-2882943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud. 391 bei den Israeliten lange vor der babylonischen Gefangenschaft, und viele Jahrhunderte vor dein Auftreten Zoroasters existirt hat1), und glauben vielmehr auf Grund folgender Daten, deren Zuverlässigkeit vollkommen sichergestellt ist, nackweisen zu können, dass Zoroaster manche Gesetze von den Juden entlehnt hat. Alles, was die persische Tradition über das Leben des iranischen Propheten aufbewahrt hat, weist darauf hin, dass, obgleich er mit der Propaganda seiner Lehre im östlichen Iran, in Bactrien, auftrat, er dennoch aus Medien gebürtig war, wo er folglich Gelegenheit hatte, die Gebräuche der Israeliten kennen zu lernen, welche dahin vom assyrischen König Sargon verpflanzt worden waren (722 a. Ch. n.)2). Die Aehnlichkeit zwischen Bibel und Avesta zeigt sich übrigens nicht nur in den Reinheitsgesetzen, viel schärfer noch tritt sie in den Erzählungen der Bibel und des Avesta über die Erschaffung der Welt, den Sündenfall, die Sintfluth hervor, und besonders frappant ist diese Aehnlichkeit in der Dar־ Stellung der Reihenfolge, in welcher die verschiedenen Elemente der sichtbaren Natur erschaffen worden sind. Diese Coincidenzen waren es hauptsächlich, welche die Prioritätsfrage hervorriefen. Bis in die jüngste Zeit war unter den Bibelkritikern die Ansicht von der Priorität des Avesta die vorherrschende, und selbst der beste Kenner des Parsismus, der unlängst verstorbene J. Darmsteter, theilte früher diese Ansicht. Indess die Er־ iorschung neu entdeckter Denkmäler der altpersischen Litteratur und eine sorgfältigere Analyse des vorhandenen Materials führten Darmsteter später zur völlig entgegengesetzten Ansicht, die zwar von mancher Seite Widerspruch gefunden hat, aber in ihren Hauptergebnissen doch unerschüttert geblieben ist. So erweist es sich z. B., dass die Perser selbst nie das auf uns gekommene Avesta als das unmittelbare Erzeugnis Zoroaster’s gehalten haben; sie gestehen selbst, dass die ächten Exemplare der heiligen Bücher von Alexander dem Grossen vernichtet worden sind, und dass erst mehr als vier Jahrhunderte später der König Valkhash (welcher, nach Darmsteter, kein anderer als Yologases I. ist) zuerst alle mündlichen und schriftlichen Denkmäler der heiligen Litteratur gesammelt hat, seine end- ף I. Samuel. XX. 26; XXL 5. 6; II. Samuel. XI, 4; II. Reg. YII,3; XXIII, 16. 2) Ch. de Harlez, citirt von J. Darmsteter, Le Zend-Avesta III, p. XXIV. Vgl. auch J. Halevy in Revhe Semitique, avril 1896, L’inüuence du Pentateuque sur 1’Avesta.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.