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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 8 · p. Seite 389

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 8
Article
Die rituellen Reinheitsgesetze in der Bibel und im Talmud
Date
1900-01-01
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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Die rituellen Remlieitsgesctze in der Bibel und im Talmud. 389 Segenssprüche genauer an, so erweist es sich, dass sie alle in Form von Gebeten gehalten sind, und der Glaube an sie beruht eben nur auf der Gnade Gottes, auf der Ueberzeugung, dass die an Ihn gerichteten Gebete nicht vergeblich sein werden. Der im Vorstehenden hervorgehobene rationalistische Zug des Mosaismus unterscheidet in besonders auffälliger Weise die von Moses vorgeschriebenen Keinigungsgebräuche von analogen Gebräuchen anderer alter Völker. Bei den Aegypten! existirten ebenfalls verschiedene Reinigungsgebräuche in Form von Räucherungen und Waschungen, welche schon Plutarch richtig im Sinne einer Prophylaxis gegen ansteckende Krankheiten gedeutet hat, aber diese Gebräuche galten nur dann als wirksam, wenn sie von gewissen Gebetsformeln begleitet wurden. Dieser letzteren konnte die ägyptische Medicin überhaupt nicht entbehren. Im Papyrus Ebers ist eine grosse Anzahl von Recepten gegen die mannigfachsten Krankheiten enthalten. Uns kann es gleichgültig sein, inwieweit diese Recepte rationell sind, und ob dieses oder jenes Mittel wirklich gegen die Krankheit hilft, zu deren Heilung es bestimmt ist. Auch in der modernen Pharmakologie wird man wohl nicht wenige Mittel finden, die nicht schlimmer und nicht besser als die ägyptischen sind. Für uns ist nur das von Wichtigkeit, dass das vorgeschriebene Mittel, nach der Ueberzeugung des Verfassers des Papyrus’, nur dann half, vrenn bei dessen Zubereitung eine gewisse Gebetsforinel recitirt wunde. Noch schärfer tritt dieser Zug in den Vorschriften des Avesta hervor; dort verliert sicli der geringe Rest von Rationalismus vollständig in der Masse symbolischer Handlungen und Gebetsformeln. Dagegen bestellen die mosaischen Reinigungsgebräuche, vrie schon früher bemerkt, ausschliesslich in physischen Handlungen, ohne alle Gebete, und entbehren überhaupt jedweden rituellen Charakters. IV. Das Verhältniss der biblischen Institution der rituellen Reinheit zur persischen. Wenn wir in der Geschichte zweier Völkerschaften, die auf diese oder jene Weise mit einander in Berührung gekommen sind, auf zwei analoge Institutionen, religiöse oder civile, stossen, so drängt sich uns unwillkürlich sofort die Vermuthung auf, dass die betreffende Institution von einer Völkerschaft der andern entlehnt sei. Diese Vermuthung gewinnt noch grössere

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