Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 7)
- Language
- German
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Die englische Intervention z. Gunsten d. böhmischen Juden i.J. 1744. 265 Minister lehnte jedoch diese Mission ah und riet Robinson, sich an Starhemberg zu wenden. Dieser, sagte er, geniesse infolge seines hohen Alters und seiner bekannten Weisheit, nicht weniger auch wegen der vielen Dienstleistungen, die er dem Hause Habsburg erwiesen habe, grösseres Ansehen als er selbst. Zugleich versicherte Uhlfeld, dass zu lebhafte Remonstrationen, die geeignet wären, der Königin eine zu schlechte Meinung über ihre eigene Person und ihre Handlungsweise beizubringen, die Sache nicht besser, sondern schlimmer machen würden. In ähnlichem Sinne äusserte sich auch Graf Starhemberg, als er von dem Inhalte des königlichen Schreibens Kenntnis erhielt. Er sei froh, sagte er, und zwar im Interesse der Sache selbst, dass er den Brief des Königs vor der am folgenden Tage erfolgenden Abreise Maria Theresia’s nach Maria Zell1) nicht mehr abliefern könne. Denn er wisse zwar nicht, ob die Bitten des Königs irgend welche gute Wirkung haben würden, aber er sei durch seine Vertrautheit mit dem Charakter der Königin in der Lage zu versichern, dass der übrige Teil des Briefes eine ausserordentlich schlimme Wirkung hervorrufen würde, sei es auch nur aus dem Grunde, weil das dort Gesagte nur zu wahr sei. Damit endete die Unterredung. Als aber Robinson am folgenden Morgen (den 22־. März) erwog, dass die Königin abreisen könnte, ohne über das Los der Prager Juden, deren Prolongationszeit am 31. desselben Monats zu Ende war, Verfügungen getroffen zu haben, setzte er ein Schriftstück auf, in welchem er zu zeigen suchte, dass Maria Theresia die Fürsprache Englands keineswegs als Einmengung in eine innere Angelegenheit ihres Staates zu betrachten brauche. ״In dem Schreiben des Königs,“ sagt Robinson in diesem Schriftstück, ״spricht ein mächtiger Fürst zu seinesgleichen; ein Verbündeter darf sich erlauben, zu seinem Bundesgenossen zu sprechen; ein Freund vollends hat das Recht und das Verlangen, zu seinem Freunde ein offenes Wort zu reden.“ ״Sollte diese Methode keinen Erfolg haben,“ fügt Robinson hinzu, ״so kann ich nur beten, dass der Gott, dem die Königin eine so feierliche Dankspende darzubringen im Begriffe ist, ihrem Herzen stärkere Gefühle der Güte und des Mitleids einflösse“ (XI). Mit diesem Schreiben überraschte er den Grafen Uhlfeld, bevor sich derselbe in die Gemächer der Königin begab. Er bevollmächtigte ihn, von dem Schreiben x) Es war nämlich Brauch hoi den Habsburgern, nach der Geburt des ältesten Sohnes eine Wallfahrt nach diesem Orte zu unternehmen und dem dortigen Kloster eine Dankspende zu gehen.