Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 6)
- Language
- German
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264 Die englische Intervention z. Gunsten d. böhmischen Juden i. J. 1744. und Herd verjagte, sollten sie noch vor der Auswanderung־ 200 000 fl. rückständige Schulden an die Staatskasse, ferner 170 000 fl. an die Geistlichkeit und alles das bezahlen, was sie den christlichen Kaufleuten in Prag, Leipzig und Nürnberg schuldeten1). Ausserdem durfte niemand ohne Erlaubnisschein die Stadt verlassen2). Auch im Monate März bemühten sich die Vertreter mehrerer Staaten, namentlich Robinson3) und Burmania4), wiederholentlich, von der Königin Zugeständnisse in der Angelegenheit der Juden Böhmens und Mährens zu erlangen. Selbst der Papst liess der Kaiserin durch die Nuntiatur seinen lebhaften Wunsch und seine dringende Bitte übermitteln, dass sie den Ausweisungsbefehl zurCtcknehme (XI)5). Doch alles war vergebens, so dass Robinson am 24. März (X) berichten musste, dass die Angelegenheit der Juden sich noch in demselben Zustande der Ungewissheit befinde. Einige Tage vorher (am 21.) hatte er aus England neue Instruktionen erhalten, die vom 22. Febr.6) (— 5. März)7) datiert waren. Der König bedauert in diesem Schreiben, dass die diplomatischen Unterhandlungen bislang keinerlei gute Wirkung erzielt haben. Robinson möge fortfahren, in seinem (des Königs) Namen nachdrücklichst zu bitten, dass der gegen so viele Tausende unschuldiger Familien gefällte, entsetzliche Richter- Spruch umgestossen werde. Dies liege ihm so sehr am Herzen, dass er die Königin von Ungarn sehr dringend bitte, seiner Fürsprache Gehör zu schenken. Er hege um so grössere Hoffnung, dass sie seiner Bitte stattgeben werde, als, abgesehen von dem materiellen Schaden, den sie sich selbst zufüge, ein Verharren bei ihrem harten und erbarmungslosen Beschlüsse von der ganzen Menschheit sowohl vom Standpunkte der Gerechtigkeit wie der Milde als ein unauslöschlicher Makel an ihrem Regime angesehen werden müsste (VII). Robinson begab sich mit der königlichen Ordre zum Grafen Uhlfeld und bat ihn, dieselbe der Kaiserin einzuhändigen. Der L Ibid., 35 f.;vgl. G. Wolf a. a, 0. 167,169, 171, 177, 184. 3) Igg. Machl. das. 3) S. Robinson’s Briefe vom 24. 11. 17. März (IX u. X). 4) Dieser hatte weitere Instruktionen erhalten, die vom 27. Jan. und 23. Febr. datiert waren; s. Isr. Letterbode, XII, 20 fg., vgl. auch Kaufmann a. a. 0. 288. 5) Vgl. Monatsschrift, XVI, 426 ff*; gegen Wolf a. a. 0. 173, Amu. und 197, Anm. 6) Ygl. Burmanias Brief vom 18. Scptcmb. 1746 (Kaufmann, p. 309). 7) S. oben S. 178, Anm. 1.