Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 4)
- Language
- German
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262 Die engliche Intervention z.'Gunsten d. böhmischen Juden i. J. 1744. Thomas Robinson, den Befehl ergehen, dass er mit grösstem Eifer alle zweckdienlichen Mittel anwende, um die Widerrufung des Ausweisungserlasses. zu bewirken. Er, der König, sei tief gerührt durch das Unglück, das über eine so grosse Zahl armer und unschuldiger Familien kommen müsste, wenn das Edict in Kraft treten sollte. Der Botschafter solle der Wiener Regierung in zarter und freundlicher Weise darthun, dass die Welt das Vorgehen der Königin verurtheilen müsste, wenn sie wegen einiger Verräther so viele unschuldige Menschen in’s Unglück stürzen würde. Er solle auch auf den Schaden hinweisen, der den Staatseinkünften erwachsen müsste, wenn Böhmen mit einemmal einer so grossen Zahl seiner Bewohner beraubt würde. Er, der König, bitte dringend, dass man nur diejenigen bestrafe, die wirklich gefehlt hätten (IV). Als dieser Brief in Wien anlangte (am 21. Jam abends)1), hatten bereits die Vertreter Hollands, Dänemarks und des Kurfürsten von Mainz im Namen ihrer Regierung gegen das Dekret Maria Theresia’s beim Wiener Ministerium Vorstellungen gemacht (XI)2). Sie hatten jedoch die Antwort erhalten, dass die Königin ihren Ministern verboten habe, in der Angelegenheit der ausgewiesenen Juden Vorstellungen fremder Mächte entgegenzunehmen. Die Königin sei Herrin ihrer Entschlüsse und könne in ihren Ländern thun־, was ihr gut dünke (ibid.)3). Eine gleiche Antwort wurde auch Robinson zutheil. Er liess sich jedoch nicht abweisen, indem er meinte, die Königin könne wohl ihren Ministern verbieten, Vorstellungen fremder Mächte entgegenzunehmen, es dürfte aber schwer fallen zu verhindern, dass die wohlwollende Fürbitte des englischen Königs oder anderer mächtiger Freunde des Hauses Habsburg zur Kenntnis ihrer ungarischen Majestät gelange. Der Minister Graf Uhlfeld musste dem beipflichten. Er liess sich zwar in eine Besprechung des Gegenstandes nicht ein, versprach jedoch, eine Abschrift der Instruktionen Georgs II., die der österreichische Gesandte in London, Baron Wasner, eingeschickt hatte, der x) Ergiebt sich aus einem Schreiben Robinsons im englischen Staatsarchiv. Kach Igg. Machl. p. 36 (zu lesen ist dort ש״ק- י״א בו) erhielten die Juden Prags bereits am 14. Jan. die Mittheilung, dass England sich ihrer ännehme. Wahrscheinlich hat Robinson den Wiener Juden dies versprochen, noch bevor er aus England Instructionen erhalten hatte; vgl. auch seinen Brief vom 27. März (XI); s. auch G. Wolf a. a. 0. p. 197. 2) Vgl. Burmania’s Briefe vom 19. u. 23. Jan. 1745 (Kaufmann a. a. 0. 295 f.). 3) Vgl. Burmania’s Bericht vom 16. Jan. (Kaufmann, p. 294).