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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 261

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
Date
1900-01-01
Page
Seite 261 (sequence 3)
Language
German
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Die englische Intervention z. Gunsten cl. böhmischen Juden i. J. 1744. 261 Amsterdam1) und von der Notabeinversammlung in Augsburg2). Zwei der angesehensten jüdichen Kaufleute Londons; Moses Hart und Aaron Franks3); wandten sich hierauf in einem Gesuche an den König, dass er geruhen möge, seinen Einfluss bei der Königin von Ungarn dahin geltend zu machen, dass sie das Ausweisungsdekret zurücknehmen oder wenigstens vorläufig nicht in Kraft treten lasse und die gewünschte Untersuchungs־ Kommission einsetze (II). Der König erfüllte bereitwilligst ihr Begehren. Am 28. Dez. (= 8. Jan. nach dem gregorianischen Kalender)4) liess er an seinen Gesandten am Wiener Hofe, Sir ף Vgl. Monatsschrift, XXXIV, 61. 2) Ibid. S. 54 f.; vgl. auch die Bittschrift an den König, wo mitgeteilt wird, dass die Londoner Juden mehrere Schreiben über die Angelcgcnheit erhalten hätten. 3) Die beiden Unterzeichneten gehörten zu den angesehensten Männern der Londoner Juden Schaft. Ein christlicher Zeitgenosse, der es nicht gern sah, dass die Juden überall Zutritt hatten, schreibt in einem Briefe wörtlich:“ M—s H — t (Moses Hart) and A—n F — s (Aaron Franks) at the last vestry hold here, mingled with the rest without Opposition, though two clergy men and Justice B—were present“ (Picciotto, Sketches of Anglo - Jewish history, p. 96. Moses Hart war ein Breslauer von Geburt (Das. p. 138) und ein Bruder des ersten Oberrabbincrs der deutsch-polnischen Judengemeinde in London, R. Uri Phaibul (Anglo Jewish Historical Exhibition Catalogue,p.49). Er war ein sehr kluger, tüchtiger Finanzmann und erwarb sich in London ein grosses Vermögen. Als Lord Godolphin unter der Regierung der Königin Anna Finanzminister wurde, übertrug er M. Hart eine Stelle in der Finanzverwaltung (Picciotto p. 134). Um seine Glaubensbrüder machte er sich besonders verdient durch die Erbauung der ersten aschkenasischen Synagoge in London, die unter dem Kamen der Great-Synagogue bekannt ist (Ibid). Er scheint ein sehr hohes Alter erreicht zu haben. Im Jahre 1756 legte er aus Gesundheitsrücksichten seine Synagogenämter nieder (ibid) und starb 1759 (Jacobs, Jewish Year-Book for 56591898/9־). Er hintorlicss eine Tochter, Mrs. Judith Levy, die in gleicher Weise wie er sich die Anerkennung und die Dankbarkeit der armen Bevölkerung Londons im allgemeinen und der jüdischen Gemeinde insbesondere zu erwerben wusste (Picciotto, 96,147; Catalogue p. 51). Aaron Franks gehörte zu einer Familie, die sich sowohl durch grossen Reichtum als auch durch gemeinnützige Werke und Wohlthätigkeit auszeichnete (Picciotto, p. 84,94). Mehrere Mitglieder derselben 'waren Vorsteher und Repräsentanten der deutsch-polnischen Judenschaft in London (ibid. 118, 134, 136, 147). Aaron Franks selbst war einer der reichsten Kaufleute der City of London (ibid, 93). Er und Mr. Levy Salomons traten im Jahre 1760 in Unterhandlungen mit der sephardischen Gemeinde, welche zur Constituicrung. eines gemeinschaftlichen Rep rasentationskörpers (Board of Deputies) führten (ibid, 117.) Er lebte noch im Jahre 1772 (ib., 147). 4) S. oben. S. 178, Anm. 1.

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