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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 260

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
Date
1900-01-01
Page
Seite 260 (sequence 2)
Language
German
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260 Die englische Intervention z, Gunsten d. böhmischen Juden i. J. 1744. zichtete und direct aus ihrem Geheimcabinet das Decret vom 18. December nach Prag sandte1). Als aber die Einwendungen der Minister trotzdem nicht verstummten, gab Maria Theresia ihnen zu verstehen, dass sie jeden, der den Versuch machen würde, sie zur Widerrufung des Edictes zu bewegen, im Verdacht haben würde, dass er unter dem Einflüsse jüdischen Geldes stehe, oder mehr bestrebt sei, seinen Privatinteressen• und den Interessen seiner Verwandten und Ereunde als dem Staatsinteresse zu dienen (XI)2). Die Kaiserin hatte in dieser Weise den Widerspruch ihrer Minister zum Schweigen gebracht; aber andere mächtige Fürsprecher für die Sache der Juden waren unterdessen gewonnen worden. Die Prager Judenschaft hatte sich nämlich an mehrere jüdische Gemeinden des Auslandes mit der Bitte gewandt, ihre respectiven Regierungen zu einer diplomatischen Intervention zu bewegen3). Die betreffenden Gemeinden setzten sich wiederum mit anderen in Verbindung4). Gegenstand der Bitte war hauptsächlich, dass man die Königin veranlasse, eine Frist zu gewähren, während ,welcher eine üntersuchungscommission feststellen sollte, ob überhaupt Verrath vorliege, und wer die wirklich Schuldigen seien (I)5)• Auch die Juden Londons erhielten ein solches Ge~ such aus Prag (I) 6), ferner darauf bezügliche Bittschreiben aus ג) S. Burnmnia’s Bericht vom 23. Jan. 1745 (Kaufmann a. a. 0. 296). 2) Zur Erklärung der letzten Worte lügt Robinson hinzu: ״Denn abgesehen von dem Schaden, der den *Staatseinkünften erwachsen wird, wofür die Königin völlige Gleichgiltigkeit affectirt, giebt es kaum jemand, der Besitzthümer in Böhmen oder Mähren hat, und dessen Interessen durch die Vertreibung der Juden nicht wesentlich geschädigt werden״. Adam Wolf a. a. 0. erzählt irrthümlich, dass die Kaiserin diese Worte in Bezug auf den englischen Gesandten gebraucht habe; vgl. oben S. 183, Anm. 4. 3) S. Igg. Machl. 33. ף Ibid. p. 34; s. auch Monatsschrift, XVI, 426fg. u. XXXIV, 54fg.;. vgl. auch Kaufmann a. a. 0. 286. 6) Vgl. Monatsschrift XXXIV, 55. 6) Das Datum dieses Gesuches, der 1. Dez. 1744, ist offenbar ein Irrtum. Dasselbe kann vor dem 22. Dez. nicht geschrieben sein, da das Ausweisungsdekxet an diesem Tage in Prag veröffentlicht wurde, und eine Abschrift desselben dem Gesuche beilag (I,II). — Von den Unter- Schriften lassen sich nur die ersten zwei mit Sicherheit indentifizieren. Simon Spira ist der bekannte Primator: vgl. über ihn Podiebrad-Foges a. a. 0. S. SO ig. u. Hock, die Familien Prags p. 288; er gehörte nach Igg. Macht p. 32 zu denen, die durch die Plünderung vom 28. Nov. 1744 ein grossen Teil ihres Vermögens verloren, vgl. dagegen Podicbrad a. a. 0. p. 90. Moses Isaak (2. Unterschrift) ist wohl der damalige Landrabbiner von Böhmen; vgl. über ihn Lieben, ~ל45 לגלע und Grünwald, Jungbunzlauer Rabbiner, p. 10 fg. Abraham (5. Unterschrift) Messen drei Vorsteh.er der Prager Gemeinde im Jahre 1745.

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