Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
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212 Die philos. u. ethischen Anschauungen des Ahr. b. Chijja. und sich der Vernunftseele gebeugt, so wird ihr dafür von Gott eine Belohnung * zu Theil, während umgekehrt die Ve1־~ nunftseele, wenn sie über die thierische Seele nicht den Sieg erringt, dafür eine Strafe zu erleiden hat 1). Die wahre Kastehing ist jedoch die Kasteiung der Seele und nicht die des Leibes. Der leiblichen Kasteiung bedarf mir der Böse, um durch die Schwächung des Leibes die Macht der bösen Begierde zu brechen und die Seele aus deren Fesseln zu befreien. Der Fromme hingegen, bei dem die Vernunftseele die Herrschaft über die böse Begierde und über das Verlangen des Leibes hat, soll sich keine anderen als die durch das ßeligionsgesetz vorgeschriebenen Kasteiungen auferlegen 2). Nach ihrer Lebensführung kann man drei Arten von Frommen und Gottesverehrern unterscheiden. 1. Solche, die sich von den Geschäften und den Genüssen dieser Welt vollständig abwenden und ihr ganzes Leben ausschliesslich dem Dienste Gottes weihen. Solcher Gottesverehrer mag es nur einen einzigen, oder es mag deren mehrere geben — wegen der Uebereinstimmung ihrer sittlichen Natur und ihres den Dingen dieser Welt abgewandten Lebens können sie als eine einzige Individualität betrachtet werden. Man kann diese Art als die der Abgesonderten und Gottgeweihten bezeichnen3). 2, Solche, die zwar der Welt anx) S. 11b. 2) Ygl. oben S. 196; S. 200. Auch Maimonides lehrt, dass freiwillige Fasten nicht zu empfehlen seien (Einleit, zu Abot, cap. IY; Hilch. Deot. III, 1). Ygl. Eosin S. 16. 3) S. 35 a—35b. Diese Ausführung ist unzweifelhaft Alfarabi’s Musterstaat entlehnt. In diesem heisst es (S. 100): ״Die Könige der Muster- Staaten folgen einander in den verschiedenen Zeiten, einer auf den anderen, und sie sind alle wie eine Seele zu betrachten. Es ist, als wären sie alle zusammen nur ein König, der die ganze Zeit verblieb. Dasselbe gilt, wenn es trifft, dass eine Menge von ihnen zu einer Zeit in einer oder in mehreren Städten existiert, sie ergeben alle zusammen gleichsam nur einen König und es ist, als ob ihre Seele nur Eine wäre. Dasselbe gilt von allen Leuten eines jeden Banges unter ihnen. Wenn dieselben auch in verschiedenen Zeiten aufeinander folgen, so sind sie doch alle wie eine Seele“ u. s. w. Ebenso heisst es in Alfarabi’s Principien (in hebr. Uebersetzung unter dem Titel ספר ההתחלות von Filipowsky in der Sammelschrift ספר האסיף edirt) S. 41; כאשר יקרה ושיהיה מאלו המלכים בעת אחת קבוץ במדינה אחת .או עם אחד או באומות רבות הנה קבוציהם יהיה כמלך אחד להשתוות מחשבתם וכונתם ורצונם ודרכם, וכאשר ימשכו בזמנים אחד אחד, הנה נפשותם יהיו כנפש אחת ויהיה השני על דרך הראשון ובו,. Diese Stelle wird auch vonFalaquera im ספר המעלות (ed. Venefcianer, Berlin, 1897) S. 17 citirt. Auch zahlreiche Entlehnungen aus Alfarabi’s Musterstaat lassen sich im ספר המעלות nachweisen. Ygl. z. B. S. 14, Z. 5 v. u. mit Musterstaat S. 92; S. 16, Z. 11 v. 0. mit Musterstaat S. 94; S. 23, Z. 6 v. u. mit Musterstaat S. 17; S. 44, Z. 2 v. u. mit Musterstaat S. 54.