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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 211

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
Date
1900-01-01
Page
Seite 211 (sequence 19)
Language
German
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Die philos. u. ethischen Anschauungen des Abr. b. Chijja. 211 eigene Mülie und Anstrengung erreicht, was den Anderen gar keine Mühe kostet. So werde man ja auch dem Jüngling, der sich unter Ueberwindung seiner Leidenschaft von der Sünde fernhalt, ein ganz anderes Lob spenden als dem nicht sündigenden Greis, der gar keine Leidenschaft mehr empfindet. Die Tief er denk enden unter den Weisen sind jedoch der entgegengesetzten Ansicht. Sie meinen, dass derjenige sich ein grösseres Verdienst erwerbe, der sich so in seiner Gewalt hat, dass er das Verlangen nach den Genüssen dieser Welt gar nicht empfindet, weil in ihm nicht einmal ein unlauterer Gedanke aufsteigt, während der Andere nicht frei von unlauteren Gedanken ist und dieselben erst überwinden muss1). Unser Verfasser scheint der letzteren, auf Aristoteles zurückgehenden Ansicht2) seine Zustimmung zu ertheilen3). Die Vernunftseele findet kein Gefallen an dieser Welt und fühlt sich in ihr wie in einem Gefängniss4); als Entgelt für den ihr dadurch bereiteten Schmerz erhält sie von Gott eine Belohnung in der zukünftigen Welt. Der thierisclien Seele wieder bereitet es Schmerz, ihre Begierden in dieser Welt unterdrücken zu müssen. Hat sie dies trotzdem gethan ף S. 10 a. 2) Arist. Eth. IST Y1I, i—11. Kosin a. a. 0. S. 17, Anmerk. 1. meint, dass A. b. Ch. darin nicht unmittelbar dem Aristoteles, sondern späteren arabischen Autoren folge. Man könnte vielleicht an Alfarabi denken, der in seinem ״Musterstaat“ (übersetzt von Dieterici, Leiden, 1900) von dem Häuptling eines solchen Staates sagt (S. 95), er müsse von Natur aus sich vom Spiel abwenden, schon von Natur aus müsse seine Seele über alles, was schändet, erhaben sein, müsse er Gerechtigkeit und die Gerechten lieben, Ungerechtigkeit und Unbill sowie deren Anhänger hassen. Die entgegengesetzte Ansicht will Maimonides (Einleitung zu Aboth cap. VI) bei den Weisen des Talmud ausgesprochen linden. Dass Maimonides in der einschlägigen Erörterung weder dem A. b. Ch. Etwas entlehnt, noch eine mit ihm gemeinsame Quelle benutzt habe (Kapoport S. XXIII), hat bereits Kosin bemerkt. 3) Vgl. auch S. 18a: בא לפרש דרך איש הגדול לפני המקום מכל מבקש העולם ודורשיו, הוא אשר קרא אותו בראש הפרשה שפל רוח ובו,* An einer anderen Stelle (S. 12a—12 b) bemerkt A. b. Ch., dass denjenigen Frommen, die nach den Freuden dieser Welt Verlangen trugen, dasselbe aber überwunden haben, als Entgelt dafür in der künftigen Welt eine die Freuden dieser Welt bei Weitem übertreffende, aber ihnen doch ähnliche Belohnung zu Theil werde; die vollkommen Frommen dagegen, deren Verlangen nur auf den Dienst und die Anbetung Gottes gerichtet war, bedürften keiner den irdischen Dingen ähnlichen Belohnung. 4) Dass das Lehen im Diesseits dem Leben in einem Gefängniss gleiche, ist bekanntlich eine Lehre Plato’s, die auch auf den Neuplatonismus übergegangen ist. Vgl. Guttmann, Philosophie Gabirols, S. 68, Anmerk. 1. 14*

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