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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 208

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
Date
1900-01-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
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208 Die philos. 11. ethischen Anschairnngen des Abr. b. Cliijja. Tbor war, löst sicli in Folge ihrer Frömmigkeit, die sie die Dinge dieser Welt verschmähen liess, von der Materie los und strebt, für sich fortzubestehen; in Folge ihrer Thorheit aber, die ihr den Weg der Weisheit and die Erkenntniss von der Einfachheit der Seele verschloss, vermag sie nicht, sich von der unteren Luftsphäre zu trennen, und sie verbindet sich deshalb abermals mit der Materie, lind zwar so oft, bis sie sich zuletzt die Weisheit angeeignet und sich dadurch über die untere Luftsphäre zu der Höhe hinaufgeschwungen hat, die ihr in Folge ihrer Frömmigkeit zukoimnt1). Die Seele desjenigen endlich, der zugleich ein Thor und ein Frevler war, kann sich von der Materie überhaupt nicht trennen und fällt, gleich dem Thiere, im Tode ganz der Vernichtung anheim. Wenn wir nun die Gesammtheit der Dinge im Hinblick auf ihre Existenz in dieser und in der künftigen Welt betrachten, so können wir sie in vier Gruppen eintheilen: 1) in solche Dinge, die in dieser und in der künftigen Welt Bestand haben (das ist die reine Form oder die Engel), 2) in solche, die nur in dieser, aber nicht in der künftigen Welt unverändert fortbestehen (das sind die Himmelskörper), 3) in solche, die weder in dieser, noch in der haben, naturgemäss darin festgehaltcn und in neue Leiber versetzt, die ihrer inneren Beschaffenheit entsprechen. Es ist ein allgemeines Gesetz, dass die Seele nach dem Tode dahin kommt, wohin ihre Neigung sie zieht; wenn sie den Körper verlassen hat, sucht sie einen Ort für sich, und ist sie mm nicht fähig, sich in’s Uebersinnliche zu erheben, so wird sie sich wieder in einem Körper, und zwar in dom Körper niederlassen, der am besten für sie taugt“. x) Kapoport (a. a. 0. S. LH) meint, dass A. b. Ch., da er im ספר מגלת המגלה die Lehre von der Seelemvandcrung als grosse Thorheit verwirft (Filipowskj a. a. 0. S. X), die hier im Namen der חבמי המחקר vorgetragene Lehre nicht zu der seinigeu habe machen wollen. Ich kann mich dieser Ansicht nicht a-nschiiessem, schon aus dem Grunde nicht, weil A. b. Ch., wie bereits bemerkt (oben S. 197), im ganzen Verlaufe dieser Schrift die Lehren der חכמי המחקר als die seinigen vorträgt. Genauer zugesehen, ist aber auch gar kein Widerspruch zwischen beiden Stellen vorhanden. Was A. b. Ch. im ספר מגלת המגלה verwirft, ist nicht die Wiedervereinigung der Seele mit der Materie, wie sie hier gelehrt wird, sondern das Durchwandern der verschiedenen Thierleiber bis zur Wiedervereinigung mit dem ersten Körper. Es heisst dort nämlich: ואיני צריך לומד■ דברי המעתיקים אשר אמרו שהנפשות בן נעתקות מגוף לגוף בכל מיני החיים עד שהן חוזרות באחרונה אל הגוף הראשון/ כי דברי אלו חן הבאי והבל גדול,. — Nach dem תורות הנפש, S. 88 gelangen die Seelen der die rechte Erkenntniss entbehrenden Frommen zuerst in ein irdisches Paradies, wo sie solange verweilen, bis sie sich diese Erkenntnis angeeignet haben.

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