Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 15)
- Language
- German
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Die philos. 11. ethischen Anschauungen des Abr. b. Chijja. 207 Von der Menschenseele, die sie als vierte Art der Form aufgestellt, behaupten die Weisen, dass ihr Gesundheit oder Krankheit, Lehen oder Tod zuzuschreiben sei. Die Gesundheit der Seele ist die Weisheit, ihre Krankheit ist die Thorlieit; das Leben der Seele besteht in der Gottesfurcht und in den guten Werken, um derentwillen der Mensch ein Frommer genannt wird, der Tod der Seele in der Herabwürdigung der Ehre Gottes und in den bösen Werken, um derentwillen er ein Frevler genannt wird. Wenn der Weise und Fromme aus dieser Welt scheidet, so trennt sich die Seele in Folge ihrer Weisheit vom Körper und besteht in ihrer Ursprungliehen Form weiter fort; in Folge ihrer Frömmigkeit aber, die sie die Weltdinge verschmähen liess, steigt sie von der Niederwelt zur Oberwelt empor und gelangt zu der reinen, oberen Form, mit der sie sich vereinigt, um sich niemals wieder von ihr zu trennnen. Die Seele des Weisen, der jedoch ein Frevler war und den Lüsten dieser Welt nachging, trennt sich zwar in Folge ihrer Weisheit von der Materie und besteht weiter für sich fort, in Folge ihrer Frevelhaftigkeit aber ist sie nicht im Stande, sich von den Gebilden dieser Welt loszulösen und sich über den Himmelskörper hinaus zu dem reinen Licht zu erheben; sie wird vielmehr unter dem Licht der Sonne umhergetrieben, deren Wärme sie wie brennendes Feuer empfindet1). Die Seele des Frommen wieder, der jedoch ein weil er den Unterschied zwischen der Möglichkeit und Wirklichkeit erwogen habe, bezieht sich vielleicht auf die Ansicht derer, die nach Maimonides (More 11,21) annahmen, dass Gott zwar der Urheber der Welt sei und deren Existenz vor der Nichtexistenz vorgezogen habe, dass dies aber nicht in der Zeit geschehen sei. Wenn es dann bei A. b. Oh. weiter heisst: אבל שהם היו עומדים בבח טוב להן והקב״ה הביאם אל המעשה על דרכם למלאות עצה חכמחו, so will er damit gleichfalls sagen, Gott habe nicht gemeint, es sei besser, wenn die Dinge von der Möglichkeit zur Wirklichkeit kämen, denn auch die Möglichkeit wäre für sie gut gewesen; Gott aber habe sie zur Wirklichkeit gebracht, um den Rathschluss seiner Weisheit zu erfüllen. x) Ganz ähnlich heisst es im הורות הנפש, S. 87: ויש נפשות ביניהן המתנשאות באויר :"כ עד גלגל העתר בכח הידיעות אשר בהן, אבל מעשיהם הרעים והנאלחים יעמרו. נגדן ופשעיהן יכבדו עליהן וימנעו אווז! -׳לעלות, והמי־יאכים הטהורים ימטירו עליהן מלמעלה הצי אש ודא היה ביכולתן לעמוד במקומן זחשובנה לרדת בבשת ובבזיון בפי מה שהתרשלו בעבודת ד/ Die Anschauung entspricht der Lehre Plot ins, die Zeller (S. 528) mit folgenden Worten widergiebt: ״Wie die Seelen ursprünglich durch ihre Neigung zum Sinnlichen in’die Leiber herabgezogen worden sind, so werden auch beim Austritt aus dem Leibe diejenigen Seelen, welche sich von der Anhänglichkeit an die Sinnenwelt nicht befreit