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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 203

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
Date
1900-01-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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Die philos, 11. ethischen Anschauungen des Abr. b. Chijja. 208 die der Form und Gestaltung entbehrt, aber dazu bestimmt und bereit ist, die Form und Gestaltung in sich aufzunehmen; das andere ist die Form, die mit der Kraft ausgestattet ist, die Materie mit Bild und Gestalt zu bekleiden. Beide bedürfen einander. Die Materie bedarf der Form, um durch sie zur Existenz zu gelangen und die ihren Mangel beseitigende Ergänzung zu finden1); die Form wiederum bedarf der Materie, um durch sie zu sinnlicher Wahrnehmung zu gelangen. Die Form steht jedoch über der Materie, da sie dieser nur bedarf, um zur Wahrnehmung, nicht aber um zur Existenz zu gelangen, während die Materie ohne die Form weder existiren noch wahrgenommen werden kann. In der Materie wie in der Form sind zwei Bestandteile zu unterscheiden. Der eine Theil der Materie ist rein und lauter, der andere ist Schmutz und Hefe. Bei der Form ist der eine Theil die in sich geschlossene und versiegelte Form, die zu rein und heilig ist, um eine Verbindung mit der Materie einzugehen. Das ist die Form der Engel, der Seraphim und der Seelen, wie überhaupt aller der oberen Welt angehörenden Wesen. Der Wahrnehmung durch die Sinne unzugänglich, können diese Formen nur von denjenigen erkannt werden, die sich in tiefeindringender Weise mit der Wissenschaft beschältigen 2). Der andere Theil der Form ist die gehöhlte und offene Form, die der Vereinigung mit der Materie und der Verwandlung durch sie zugänglich ist3). Durch das Schauen und die Aus- Strahlung auf die durchhöhlte Form steht die für sich bestehende und der Vereinigung mit der Materie unzugängliche Form jener bei, die Materie mit allen von ihr aufnehmbaren Formen zu *) S. 2a: ההיולי הוא חלש ודל מהיות לו כח להעמיד את עצמו ולמלאות אח חסרונו אם אין הצורה הנדבקת בו. Das entspricht cler Lehre Plotins, nach welcher die Materie die ungestillte Sehnsucht nach dem Sein, die reine Privation (oTEprfits) des Seins ist. Vgl. Zeller, S. 488. 2) S. 2b. 3) S. 2 a. Die Unterscheidung zwischen der für sich bestehenden und niemals mit der Materie sich verbindenden Form und der anderen in die Materie eingehenden Form gründet sich vielleicht auf die Unter- Scheidung, die Plotin zwischen dem Nus und der Weltseele auf der einen und der aus der Weltseele hervorgehenden Natur auf der anderen Seite macht. Während die Weltseele ein schlechthin unsinnliches Wesen ist, das weder in die Körperwelt eingeht, noch auch nur mittelbar auf das- Körperliche einwirkt, ist die Natur, das blosse Abbild und Erzeugniss von jener, auf ähnliche Weise mit dem Körper des Weltalls verbunden, wie die Menschenseele mit dem menschlichen Leibe (Zeller, S. 482). Vgl. Theologie des Aristoteles (Plot. IV, 8. 7).

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