Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
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202 Die philos. u. ethischen Anschauungen des Abr. b. Chijja. Mensch nach Deut. 4, 39 durch die Betrachtung des Himmels und der Erde und nach Hiob 19,26 durch die Betrachtung der Organisation seines eigenen Körpers und der Gestaltung seiner Gliedmassen zur Erkenntniss der göttlichen Sehöpferweisheit angeleitet werden1). Der Mensch, seiner Definition nach ein animalisch-vernünftiges Wesen, bildet als solches das Endziel der Schöpfung, denn die Vorzüge der animalischen Wesen mit der Kraft des Denkens verbindend, stellt er in seinem Wesen eine Vereinigung von Vorzügen dar, wie sie sich bei keinem anderen Wesen der Schöpfung findet. Mit allen anderen Geschöpfen aber hat der Mensch das gemeinsam, dass er ein Körper ist, d. i. ein Ding, das eine Ausdehnung hat und dem Länge, Breite und Tiefe fukommen. Dieser Definition zufolge ist der Körper aus zwei ursprünglich von einander getrennten Dingen zusammengesetzt, die in Gottes Denken potentiell bestanden haben, bis die Zeit gekommen war, da sie durch den Willen Gottes miteinander vereinigt und verbunden worden sind2). Allerdings ist das, was hier von der Zeit gesagt ist, nur im uneigentlichen Sinne zu verstehen, denn da die Zeit nichts Wesenhaftes, sondern nur das Maass der Existenz der Dinge ist, so kann es vor der Schöpfung, d. i. bevor die Dinge existirten, auch keine Zeit gegeben haben3). Von jenen beiden Dingen ist das eine die Materie, ג) S. 1b. Die gleiche Auslegung der Worte (Hiob 19, 26): ומבשרי אחזה אלוה findet sich auch bei Bachja Herzenspfl. II, 5. Vgl. Bacher, Die Exegese der jiid. Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maimuni. Budapest, 1892, S. 84, Anmerk. 2. 2) S. 2a: והמעיין בגדר הזה עיון יפה, ימצאנו מחובר משני דברים, וראוים הם על שקול הדעת להיותם מקדם נפזרים ונפרדים, ולפני המחשבה הטהורה בכח הם עומדים, עד בא רצונו להדביקם ולהחבירם; das.:והיו שני השרשים האלה שהם ההיולי והצורה גנוזים לפני המקום עומדים על סדריהם, עד העת שהיה ראוי לפניו להוציאם,; S. 2b: 'תמצא ההיולי והצורה אשר היו לדבריהם עומדים בכח לפני בריאת העולם. Eine wirkliche Existenz von Materie und Form vor der Schöpfung, wie Kaufmann meint, (Theologie des Bachja Ibn Pakuda, S. 47, Anmerk. 1) lehrt demnach A. b. Ch. nicht. 3) S. 2a: והמעשה והעת אשר נאמר כאן הוא נאמר על הרחבת הלשון ועל דרך בני אדם, אבל על האמת והעיקר אין לפני יצירה הנמצאים מן הכח אל המעשה שום עת ולא זמן. כי הזמן היה עומד בכר. מעמדת כל הנמצאות בו, כי אין הזמן'דבר שיש לו ממש ואינו כי אם אמירה) [מדת] (מ) עמדת הנמצאות, ואם אין שם נמצאות אין שם (אמירה) [מדה] שהזמן תלוי.) (Vgl. Schmiedl, Studien über jüdische, insonders jüdisch-arabische Religionsphilosophie, S. 114, Anmerk. 2). Auch nach תורות הנפש, S. 66 sind die von Gott ausgehenden Emanationen nicht in der Zeit entstanden. Ebenso lehrt Maimonides gegen Aristoteles, dass die Zeit zu den geschaftenen Dingen gehöre (More II, cap. 13.30, Munk, Guide, II, pag, 106, 231). Auch im ספר מגלת המגלה hat A. b. Ch. diesen Gegenstand behandelt. Die Inhaltsangabe des ersten Abschnitts lautet (Filipowsky S. X): השער הראשון סדרנו בו טעמים מהחכמה החיצונה בחדוש ענין הזמן וגדרו.