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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 201

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
Date
1900-01-01
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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Die philos. 11. ethischen Anschauungen des Ahr. b. Chijja. 201 Auf den späteren Entwicklungsgang der jüdischen Religions- Philosophie hat das Hegjon ha-Nefesch, seiner untergeordneten Bedeutung entsprechend, einen kaum bemerkbaren Einfluss ausgeübt. Neben Maimonides, der in seiner Darstellung der Ethik einzelne Anregungen aus ihm geschöpft haben mag1), kommt allenfalls noch Naclimanides in Betracht, der das Hegjon ha- Nefesch nachweisbar gekannt und benutzt hat2). Versuchen es wir nunmehr, die bedeutsameren pliilosopliischen und ethischen Anschauungen, die im Hegjon ha־Nefesch zur Darstellung gelangen, dem Leser vorzuführen und sie mit einem Quellennachweis zu begleiten, der in geschichtlicher Beziehung nicht ohne ein gewisses Interesse sein dürfte. Um die Frage zu beantworten, was den Menschen, der doch ein so nichtiges und vergängliches Wesen sei, dazu befähige, die Herrschaft über alle anderen Reiche der Schöpfung auszuüben und sich zur Würde der Erkenntniss und der Wissenschaft zu erheben, haben die Weisen der alten Völker, die sich, ohne der Offenbarung gewürdigt zu sein, mit den Problemen des Glaubens beschäftigten, die Grundelemente, aus denen die Dinge geschaffen sind, zu erforschen gesucht, von der Voraus- Setzung ausgehend, dass die Erkenntniss der Grundlage und des Ursprungs eines Dinges zur Erkenntniss der Art seiner Entstehung und seiner Organisation führe. So soll ja auch der p Vgl. ßosin S. 16—17. 2) Die Annahme Bapoports (S. LV—LYI), dass Naclimanides das Hegjon ha-Nefesch nicht gekannt habe, weil er in seinem Pentateuchkommentar (zu Levit. 26, IG) über die beiden Strafandrohungen der Schrift eine der des A. b. Ch. (S. 40 a.) entgegengesetzte Ansicht ausspricht, ohne seines Vorgängers Erwähnung zu thun, ist irrig, denn nicht nur hat Nachmanides in der Erklärung der Worte תהו ובהו die Ausführung im Hegjon ha-Nefesch, deren auch Saadia ihn Danän (Vgl. Neubauer, Notice sur la Lexicographie, pag. 212) und Jacob bar Scheschet (Vgl. Michael, Or ha-Chajjim, S. 37) rühmend Erwähnung thun, stillschweigend benutzt, sondern in der Schrift האמונה והבטהון citirt er ausdrücklich eine Ansicht A. b. Ch’s, die sich im Hegjon ha-Nefesch findet: האמונה והבטחון cap. 19: ודעת החכם הנשיא רב אברהם■ צחבא שורטא ז״ל במים אשר מעל העמים, בי הוא נאמר על הצורה שאינה נדבקת אל גוף כלל* Vgl. Hegjon S. 4 a: וכן אמר הכתוב הללוהו שמי השמים והמים אשר מעל השמים כאלו אמר וצורת האור הבהיר אשר מעל השמים. Eine Entlehnung desNachmanides aus dem ספר מגלת המכלה glaubt Isaak Abravanel (Pentateuchkommentar, Hanoviae, 1710, S. 5 b.) constatiren zu können. Der Yerschiedenheit der Ansichten des A. b. Ch. und des Nachmanides in Betreff der Strafandrohungen thut auch Jacob b. Chananel Sikili in seinen Homilien über den Pentateuch Erwähnung (vgl. Steinschneider, Katalog der Handschriften der Hamburger Stadtbibliothek, S. 30; Michael, Or ha-Chajjim, S. 37); auch die dort erwähnten חכמי המחקר weisen auf unsere Schrift A. b. Ch’s hin, in der diese Bezeichnung häufig wiederkehrt.

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