Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829741-2829747-2882673--29962-2882702- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
200 Die pliilos. u. ethische« Anschauungen des Abr. b. Chijja. nicht ohne Bedenken zu widersprechen wagt1). Umso auffälliger ist, es, dass in unserer Schrift, ebenso wie in dem erwähnten 2תורות הנפש), Saaclia’s Emunoth wre־Deoth, dieses für die jüdische Religionsphilosophie grundlegende Buch, völlig unberücksichtigt bleibt•3). Die zahlreichen Berührungspunkte, welche das Hegjon ha־Nefesch in seinen ethischen Anschauungen mit den Herzenspflichten des Backja Ibn Pakuda aufweist, werden wohl auf eine Benutzung dieses Werkes zurückzuführen sein4), obschon der Verfasser in anderen Punkten wieder, wie z. B. in seiner Verwerfung der freiwilligen Fasten, eine der Lehre Bachja’s entgegengesetzte Ansicht vertritt5). (3b das Bekenntniss zu den Anschauungen der neuplatonischen Philosophie gerade auf das Beispiel Salomo Ibn G-abirol’s zurückzuführen sei, will mir zweifelhaft erscheinen, da sich eine Beeinflussung durch diesen hervorragendsten Vertreter des Neuplatonismus unter den Juden bei Abraham bar Chijja ebenso wenig, wie bei dem Verfasser des תורות הנפש, mit Sicherheit nachweisen lässt. Es bedarf ja wohl auch keiner besonderen Erklärung für die Hinneigung zum Neuplatonismus in einer Zeit, in der diese auch dem religiösen Bedürfniss der Bekenner des Monotheismus entgegenkommende Weltans chauung durch zahlreiche Schriften, wie dieEncyklopädie der lauteren Brüder, die sogenannte Theologie des Aristoteles, den arabischen Originaltext des Liber de causis und die pseudoempedokleischen Schriften, unter Arabern und Juden eine so weite Verbreitung gefunden hatte. Die Vorliebe für den Ideenkreis des Neuplatonismus mag es wohl auch erklären, dass sich von einer wesentlichen Beeinflussung durch Alfärabi und IbnSina, die beiden Hauptvertreter des •allerdings mit neuplatonischen Elementen versetzten Aristotelismus unter den Arabern, keine Spuren nachweisen lassen. An einer einzigen, später noch zu erörternden Stelle, an der es sich aber um keine eigentlich philosophische Frage handelt, ist mir eine unzweifelhafteBenutzung der Schrift Alfarabi’s vom ״Muster- Staat“ entgegengetreten. ואל יאשימני אדם ויאמר איך ה וכל להשיב עד חכם :60 .1j vSepher ha-Ibbur S גדול ומופלא ממך, אני אומר ודאי הוא גדול ממני בכל חכמה וכן היה משה רבנו עבד ד' גאון וגדול בכל ישראל, ועל כל זאת לא עזב אלעזר הכהן להשלים דבר שלא השלים אוהו משה. 2) Vgl. Monatschrift XLI, S. 448. 3) Erwähnt wird das Emunoth in der oben S. 199 (Amnerk. 5) angeführten Stelle aus ׳lern ספר מגלה המגלה. 4) Vgl. Rosin a. a. 0. S. IG. 5) Hegjon S. 16 a. Vgl. Hzpfl. IX, 5; X, 6.