Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
Date
1900-01-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829741-2829747-2882673--29960-2882700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

198 Die philos. ס. ethischen Anschauungen des Abr. b. Chijja. über die Entstellung der Dinge unbedenklich glaubt stützen zu dürfen1). An einer anderen Stelle ist von den speculativen Denkern die Rede, die darin üb er ein stimmten, dass sich der Mensch nur vermittelst der Weisheit und der guten Werke von der Welt der Materie und der Vergänglichkeit loslösen könne. Weil sie aber der Kenntniss der Thora entbehrten, seien diese Denker nicht im Stande, die Weisheit und die guten Werke näher zu bezeichnen, die zu diesem Ziele führten2). Der Unvergänglichkeit, so heisst es an einer dritten Stelle, werden nicht alle Menschen, sondern nur bestimmte Individuen theilhaftig. Wer aber diese Individuen seien, und welcher Nation sie entstammten, das könnten die speculativen Denker nicht angeben, weil dies eine Erkenntniss sei, die sich durch die blosse Vernunft nicht ergründen lasse, über die uns vielmehr nur die durch Gott geoffenbarte Thora belehren könne3). Allerdings unterliegt es für Abraham bar Chijja keinem Zweifel, dass auch die Weisheit der nichtjüdischen Denker ihrer letzten Quelle nach auf die Thora zurückzuführen sei4). Wie wir später noch im Einzelnen nachweisen werden, ist es im Wesentlichen der neuplatonisclie Ideenkreis, in dem die von A. b. Ch. dargestellten philosophischen Anschauungen sich bewegen. Welcher Quellenschrift er speciell gefolgt sei, lässt sich jedoch schwer bestimmen, da uns die neuplatonischen Anschauungen bei ihm in einer Fassung entgegentreten, die von allen uns * erhaltenen und zu jener Zeit verbreiteten Darstellungen * der neuplatonischen Philosophie vielfach abweicht. Am meisten nähert sich seine Darstellung noch derjenigen Gestalt des Neuplatonismus, der wir auch in einer etwas älteren und fälschlich dem Bachja Ihn Pakuda zugeeigneten Schrift begegnen, die jüngst, aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt, unter dem Titel תורות הנפש veröffentlicht wurde5). Eine Uebereinstimmung mit dieser Schrift zeigt sich auch in einem Punkte, in dem eine dem Neuplatonismus entstammende Anschauung von A. b. Ch. והרמז הזה מרשה אותנו לחקור על דבריי הקדמונים ואיך היו הנמצאות :S. lb (* לפי דעתם, 2) S. 5 a. 3) S. 6b. ־ 4) S. 2b: ואתה מוצא את בל (גדוליהם) דבחהם המפורשים עד המקום הזה לקוחים מדברי תורה ושאובים ממעין החכמה, אם אתה מעיין בהם. Dass alle Wissenschaft der Nichtjuden von den Juden stamme, lehrt auch Jehuda ha-Lewi, Kusari 1,68, 11,66: von den ethischen Lehren der Philosophen behauptet dasselbe Abraham Ibn Daud, Emuna Rama, S. 101 (deutsch. Uebers., S. 130). 5) Vgl. über diese von J. Broyde (Paris 1890) herausgegebene Schrift meine Abhandlung in dieser Monatsschrift NLI, S. 241 fg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.