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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 5 · p. Seite 196

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 5
Article
Die philosophischen und ethischen Anschauungen in Abraham bar Chijja's Hegjon ha-Nefesch
Date
1900-01-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Die philos. u. ethischen Anschauungen des Ahr. b. Chijja. angelegt sei, manche Bedenken erheben lassen1). Das jedoch steht ausser allem Zweifel, dass die Tendenz nicht sowohl eine streng wissenschaftliche als eine populär homiletische ist, und dass die Stärke des Verfassers sich nicht sowohl in der Ent- Wicklung selbständiger philosophischer Gedanken als in der geistvollen Auslegung und in der durch ihre Treffsicherheit nicht selten überraschenden Anwendung der beigebrachten biblischen Texte zeigt. Abraham bar Chijja ist ein helldenkender, vorurtheilsfreier Geist und mag in dieser Beziehung vielleicht manchem hervorragenderen Denker überlegen sein. Wenn auch Israel das von Gott auserwählte Volk ist, so ist nach seiner Ansicht doch auch der Nichtisraelit im Stande, sich zu derselben Stufe der Gottgefälligkeit wie der Israelit zu erheben2). Er erklärt es für eine Thorheit, dass die Gebete der Lebenden auf das Schicksal der Gestorbenen noch einen wohlthätigen Einfluss ausüben könnten3). Für ihn besteht das Ideal der Frömmigkeit nicht in einer übertriebenen Asketik, der Fromme solle sich vielmehr auf diejenige Enthaltsamkeit beschränken, die durch das Religionsgesetz vorgeschrieben sei4). Wie er in dem Buch über Kalenderkunde dem weitverbreiteten Aberglauben entgegentritt, in der Zeit der Tekufa kein Wasser zu trinken 5), so missbilligt er den Brauch, beim Vorlesen aus der Thora x) Rapoport (Einleit zu Hegjon ha-Nefescli S. LIV) bemerkt zutreffend, dass der zweite Abschnitt unserer Schrift eine Betrachtung über den für den Morgen des Versöhnungsfestes bestimmten Prophetenabschnitt• (Jes. 57 fg.), der dritte eine Betrachtung über den für den Nachmittag dieses Festes bestimmten Prophetenabschnitt (Buch Jona) darbietet. Rosin (Ethik des Maimonides S. 15) geht weiter und meint, dass der erste Abschnitt eine Betrachtung für das Neujahrsfest und der vierte eine solche für den Busssabbat sei. Das Thema des ersten Abschnitts ist ja aber gar nicht, wie Rosin angiebt: Natur und Schöpfung, sondern die Frage, wie der Herrscherberuf des Menschen mit der Vergänglichkeit seines Wesens zu vereinigen sei, und nur zur Beantwortung dieser Frage wird auf eine Erörterung über die Wurzeln oder Principien der Dinge eiligegangen. Eine religiös-ethische Betrachtung über den Schöpfungsgedanken enthält dagegen dieser Abschnitt nicht. Die Anknüpfung des vierten Abschnitts an Jes. 51, 11 würde aber nur in einem ganz vereinzelten Fall als für den Busssabbat geeignet erscheinen. Vielleicht hatte A. b. Oh. eine Betrachtung über den Prophetenabschnitt des Busssabats ursprünglich beabsiclitigt, da er im Eingang des zweiten Abschnitts es zu rechtfertigen sucht, dass die Betrachtung über Jes. 57 der überHosea 14, die er überhaiipt nicht giebt, voranzugehen habe. 2) Hegjon S. 8a. 3) Hegjon S. 32 a. 4) Hegjon S. 16 a. 5) Sefer ha-Ibbur S. 8 6,

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