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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 4 · p. Seite 184

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 4
Article
Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
Date
1900-01-01
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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Die englische Intervention z. Gunsten d. böhmischen Juden i. J. 1744. 184 sehen zu lassen1). Diese Verordnung mag jedoch schon eine Folge der gegen die Prager Juden ausgestreuten Verdächtigungen gewesen sein. Wenn nun auch das angeh lieh verrätherisehe Verhalten der Juden die unmittelbare Veranlassung für ihre gänzliche Vertreibung und für die gegen sie angewandten halben Massregeln war, so war doch eine theilweise Entfernung derselben aus Böhmen und Mähren bereits früher von Maria Theresia erwogen worden. Die Zahl der Juden in diesen Ländern und ganz besonders in Prag hatte nämlich eine bedeutende Höhe erreicht2). In Begierungskr eisen machte sich nun die Meinung geltend, dass dadurch die Interessen der anderen Bevölkerung geschädigt werden. Schon Karl VI. hatte infolgedessen in Böhmen Gesetze erlassen, die eine Verminderung der Zahl der Juden herbeiführen sollten3). Und Maria Theresia, welche vierzehn Tage nach ihrer Thronbesteigung den Austreibungsbefehl ihres Vaters gegen die Juden Schlesiens erneuerte4), suchte auch betreffs der Juden Böhmens und Mährens in seinem Sinne weiter zu wirken. Sie ging daher mit dem Plane um, die armen Juden, die keine bestimmte Beschäftigung hatten und infolgedessen dem Staate nicht viel einbrachten oder gar ihren begüterten Glaubensbrüdern zur Last fielen, allmählich ausser Landes zu weisen5). Dieser Plan fand die Zustimmung sämmtlicher Kronräthe (XI) und wäre sicherlich ausgeführt worden; aber nach dem Scheitern des weitergehenden Planes einer gänzlichen Vertreibung musste auch der 11rsprüngliche Plan infolge der mit den böhmischen und mährischen *) Robinson a. a. 0.: vgl. A. Wolf a. a. 0. 2) Eibeschütz (Momitschr. XVI, 426fg.) schätzt die Zahl der Prager Juden auf 20000, während die Gesammtzahl der Juden in Böhmen nach ihm 40000 betrug (nicht wie Graetz verstanden hat, dass die Zahl 40000 sich auf die Landjuden allein beziehe). Die Zahl 20000 für die Prager Gemeinde wird auch von der Statthalterei genannt (G. Wolf a. a. 0. p. 161). In ihrer Bittschrift an Georg II. sprechen die Juden Londons von 50000 Familien (II), woraus Harrington gleich 60000 macht (IV). Nach Wolf (a. a. 0. p. 168ו bestand die Judengemeinde in Prag aus ungefähr 8000 Seelen. 3) S. G. Wolf a. a. 0. 150. 4) Vgl. Braun, Gesch. des Landrabbinats in Schlesien (m Graetz’ Jubelschrift), p. 242. 5) Robinson das.: vgl. Burmania’s Bericht vom 18. Septemb. 1746 (Kaufmann a. a. 0. 306); s. auch Denksehr, der böhm. Hofkanzlei vom 17. Dez. 1744 (Wolf a. a. 0. 159fg.).

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