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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 4 · p. Seite 183

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 4
Article
Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
Date
1900-01-01
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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183 Die englische Intervention z. Gunsten d. böhmischen Juden i. J. 1744. Judenfeinden eine Handhabe zur Verleumdung boten1). Und an Leuten, die stets auf der Lauer nach einer Gelegenheit sind, um Israel zu verderben, war damals ebensowenig Mangel, wie in unseren Tagen. Besonders eifrig erwiesen sich dabei die christlichen Kaufleute Böhmens. Sie sahen mit ohnmächtigem Neid, wie ihre jüdischen Fachgenossen Beichthümer aufhäuften. Alle ihre Bemühungen, es den Juden gleichzuthun, schlugen fehl, denn sie besassen nicht den Handelsgeist der letzteren und befleissigten sich nicht einer gleich sparsamen Lebensweise2); sie konnten sich auch nicht so ausgebreiteter Beziehungen erfreuen wie die Zugehörigen jenes Volkes, das über der ganzen Erde zerstreut lebt. Der einzige Ausweg, den ihre Scheelsucht ausfindig machen konnte, war die Entfernung der ihnen an Geist und wirtschaftlichen Tugenden überlegenen Rivalen. Sie ergriffen daher freudig die günstige Gelegenheit, um Maria Theresia durch Verdächtigung der Vaterlandsliebe und der dynastischen Treue der Juden für ihre Pläne zu gewinnen3). Dass die sonst edle und gerechte Fürstin diesen Beschuldigungen Glauben schenkte, ohne sie näher zu prüfen, ist in Anbetracht ihrer feindlichen Gesinnung gegen die Juden im allgemeinen nicht zu verwundern. Ihre Abneigung gegen die Juden war so gross, dass deren Anblick sie mit Grauen erfüllte. So erzählt Robinson (XI)4), dass sie in Pressburg ihren Widerwillen nicht verhehlen konnte, als sie auf dem Wege zu ihrem Palais eine Strasse passiren musste, in der eine grössere Zahl von Juden sich versammelt hatte, um ihre junge Herrscherin zu sehen. Als sie im Jahre 1743 nach Prag zur Krönung kam, war ihre erste Verfügung, dass kein Jude es wage, sich während ihrer Anwesenheit in dem Bereiche ihres Schlosses L Vgl. Rodiebrad-Foges a. a. 0. p. 85ff. 2) S. Arncth a. a. 0. IV, 49; vgl. auch G. Wolf a. a. 0. 202. 3) Drei der Denuncianten werden Jgg. Macht, p. 32 namhaft gemacht: die Kaufleute Lorbeer und Glaser, der dritte im Bunde war das Mitglied des Magistrats שארשעק. Letzterer ist wohl identisch mit שערשיק der ibid, p. 14 Bürgermeister der Altstadt (L11 J. 1742) genannt wird; er hat auch sonst seinen Judenhass vsiederho lentlich bethätigt (s. das. p. 6). 4) Diesem Briefe wohl von Raumer, Beiträge zur neueren Geschichte aus dem britischen Museum u. Reichsarchive II, 237, entnommen: vgl. Arneth IV, 50 u. Adam Wolf, Oesterreich unter Mar. Theresia p. 112 (vgl. G. Wolf a. a. 0. 173, Anm.). A. Wolf scheint den Brief Robinsons gekannt, aber vielfach missverstanden zu haben; s. weiter unten..

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