Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die englische Intervention zu Gunsten der böhmischen Juden im Jahre 1744
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
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Die englische Intervention z. Gunsten d. böhmischen Juden i. J. 1744. 181 imhüllen1). Ein ungewöhnlich strenger Winter machte ihre Lage noch trostloser2). Ueberdies waren alle Wege voll von Truppen, die einander bekämpften, und arme, wandernde Juden hatten gewiss von ihrer Seite keine Schonung zu erhoffen3). Und nun gar die grausame Kürze der Frist, die ihnen zu den nöthigen Vorbereitungen gewährt war! Was die Gründe betrifft, die Maria Theresia bewegen konnten, zu einer Zeit, in der der Krieg ungeheuere Summen verschlang, denjenigen Theil der Bevölkerung Böhmens und Mährens aus dem Lande zu jagen, der den Handel fast vollständig in Händen hatte und demgemäss viel dazu beitrug, die.r königlichen Revenuen zu vermehren, so war darüber im Dekrete selbst nur soviel enthalten, dass die Vertreibung ״aus mehrerley bewegenden, höchst triftigen Ursachen“ beschlossen worden sei. Die Vertreibung wurde jedoch allgemein als Resultat der verleumderischen Anklagen gegen die Juden angesehen, die bei Maria Theresia zahlreich einliefen und in der Beschuldigung gipfelten, dass dieselben es mit den Feinden gehalten hätten4). Schon zur Zeit der französischen Invasion beschuldigte man sowohl die Juden in Prag als auch im ganzen Lande einer höchst feindseligen Haltung wider die österreichische Herrschaft und einer lebhaften Parteinahme für die Franzosen und Baiern. Beweise waren dafür allerdings nicht vorhanden5). Dasselbe Verbrechen wurde ihnen auch in Bezug auf die Preussen zur Last gelegt. Man verbreitete das Gerücht, dass die Juden Prags sich an den König von Preussen gewandt, dass sie sein Unternehmen und seine Festsetzung in Prag begünstigt6), dass sogar verschiedene Juden die Preussen auf ihren Excursionen und Expeditionen begleitet hätten7). Dass 1) Jgg. M. a, a. 0. 2) Ibid. 38 f.; vgl. die Denkschr. der Prager Hofkanzlei vom 17. Dez. (Wolf a. a. 0. 161); vgl. auch die Bittschrift der Prager Juden an die Juden in London (I). 3) S. Jgg. M. und Bittschrift a. a. 0. 4) S. den Brief Robinsons vom 27. März 1745 (XI) und die Belege in den folgenden Anmerkungen; vgl. auch die Bittschrift der Prager Juden (I). ף Arneth a, a. 0. II, 236 u. 481, Aiim. 37. 6) S. Jgg. Macht, p. 50; s. auch Burmania’s Bericht vom 19. Jan. 1745 (Kaufmann a,. a. 0. p. 295). 7) S. Burmania’s Bericht vom 6. Aug. 1746 (Kaufmann a. a. 0. p. 305). Dies mag wirklich der Fall gewesen sein; nur waren es nicht Prager Juden, sondern preussische, die sich natürlich in ihrer äusseren Erscheinung von den einheimischen nicht unterschieden; vgl. diese Zeitschrift XXXIV, 55.