Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 6)
- Language
- German
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17*2 Actenstückc zur Gesc-liichte d. Confiscation d. hebräischen Schriften. er die in meiner Hand befindlichen Privilegien von früheren Kaisern und Päpsten gesehen und gelesen habe. Unser Kaiserlicher Herr sagte, dass er uns Bescheid geben werde. Wie und was ist mir [uns] unbekannt. Und das Papier ist zu kurz, um vollständig anzugeben, wann er uns eine Antwort geben wird1) wegen der Fülle seiner Geschäfte, die unübersehbar (?) ist. Darum, meine Lieben, erwäget die Sache wohl, was da zu thun ist. Denn wir haben erforscht und als wahr bestätigt gefunden, dass unser Kaiserlicher Herr das Mandat mit seinem wohlüberlegten Wissen und Willen hat niederschreiben lassen, und dass er seinen Inhalt genau kennt. Nur sagte R. Isaak aus Triest zu seiner (des Kaisers) Entschuldigung, dass seine Absicht keineswegs so schlimm ist, wie sie der Abtrünnige (Pfefferkorn) bei uns durchgeführt hat. — Der Hüter Israels möge den Rest Israels behüten. Denn leider steht zu befürchten, dass, wenn der Abtrünnige herkommt, er seinen Willen leider ganz und gar durchsetzt, zumal da die meisten Kaiserlichen Räthe sehr grosse Judenfeinde sind. Sernteiner2) hat uns beschieden, dass der Abtrünnige in seinem Hause gewesen sei und mit lautem Ge- .schrei Recht [gegen die Juden] begehrt habe. Dasselbe stürmische Verlangen sei vor unseren Kaiserlichen Herrn gekommen, und er habe ihm darum das Mandat gegeben, welches ihm recht und billig erscheine, zumal es seine Pflicht sei, aller Welt zum Recht zu verhelfen, und dergleichen Dinge mehr. Genug davon. Schliesslich lasst es Euch ja nicht in den Sinn kommen, Ihr alle, die Ihr im Schutze des grossen Adlers weilt, d. 11. alle Söhne Israels, dass diese böse Sache etwa von einen oder zwei grossen Herrn ausgegangen sei, oder dass sie diese •'Sache wegen einer geringen Geldsumme, [die sie erpressen wollen] eingefädelt haben, wie ich mir habe Vollmacht geben lassen [auszugebeii], als ich von Euch abreiste; das denket ja nicht, sondern erwägt diese Sache wohl und sendet hierher Männer, die klüger und einsichtiger als ich sind, mit einem gefüllten Beutel in der Hand, und versuchet womöglich, den bösen Anschlag zu vereiteln. Denn es ist leider zu befürchten, dass grosses Unheil daraus . entstehen kann. Auch würde ich in allem, was Ihr mir, Eurem niedrigen Knecht, auftragen werdet, willig gehorchen, nur . sendet mir eiligst einen sicheren Mann *) Im Original steht: das Papier würde zu kurz sein, Euch genau anzugeben, wann (!) er uns Antwort geben wird. 2) Er war der Secretär des Kaisers. Vgl. über ihn Ulm an, Kaiser Maximilian I. Bd. I, S. 815f.