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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 4 · p. Seite 162

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 4
Article
Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim
Date
1900-01-01
Page
Seite 162 (sequence 7)
Language
German
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162 Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjiin wirkenden Wesens erblicken. Das ist aber aucli das einzige, was wir in dieser Frage aussagen können. Die zahlreichen Beweise, weiche der Kalam über die Nothwendigkeit der An־ nähme einer Weltschöpfung beizubringen vermeint, um daraus einen Schluss auf die Existenz und das Wesen Gottes zu ziehen, sind nichts als das Ergebnis« einer groben Selbsttäuschung1). Wer die Erkenntniss sucht, darf sich nicht, wie unser Autor mit einem Wortspiele sagt, nach diesen Begriffskünstlern richten, welche die Wirklichkeit nach den Begriffen umbilden, statt die Begriffe nach der Wirklichkeit festzustellen2). Grund, Zweck und Art der Schöpfung sind in Wahrheit nicht bloss unerforscht, sondern unerforschlich3). Wir müssen uns damit begnügen, das eine zu wissen, dass Gott die Welt nach seinem freien Willen ins Dasein rief. ' Mehr zu erkennen, bindern uns die natürlichen Schranken unseres Verstandes, die unüberwindlich sind4). Maimuni’scher Geist spricht aus solchen, von unserem Autor mehrmals wiederholten5) Worten. Dieser Agnosticismus, der ja auch der Attributenlehre des More ihr Gepräge gab6), ist das Grundprincip in Maimunis System; er ist darin auch zugleich der werthvollste und der modernste Bestandtheil. Dass Levi ben Abraham die von seinem Meister abgesteckte Grenze des Erkennens so scharf festhält, zeigt uns, dass er in den Geist von dessen Lehre eingedrungen ist und nicht nur ihre äussere Form und Darstellungsweise angenommen hat; in einer Zeit, die in transcendenten Fragen so siegesgewiss war, ist das nicht ganz gering anzuschlagen7). In der Entx) S. More I, 71, I, 73 Ende u. I, 74 Ende. Feber den Ausdruck in unserem Text הטעאה, welcher der terminus tcchnicus für die falsche Dialektik des Kalanis geworden ist, s. Steinschneider, Alfarabi S. ■54f. Eine Widerlegung des Kalams bringt L. b. A. nicht vor, da die eingehendere philosophische Beweisführung nicht dem populären Zweck eines Werkes entsprach, und er andrerseits hei den Gebildeteren die Kenntniss der betreffenden Partieen des More voraussetzen durfte. 2) S. More I, 71: ובלל אומר לך בי הדבר במו שאמרו תמסטיוס אייך איין המציאות נמשכה אהר הדעות אבד הדעות האמתיות נמשכות אחר המציאות S. ibid. והולידו חכמת הדברים הזאת. 3) More II, 24 Ende, II, 25 Ende u. III, 13 Anfang. 4) S. die letzte angeführte Textstelle unseres Autors. 5) S. die folgenden Textstellen. 6) S. oben S. 30. 7) F1u sich des ganzen Gegensatzes bewusst zu werden, braucht man nur die Erklärung der biblischen Schöpfungserzählung bei Bachja ben Ascher zu lesen, der ja sonst unserem Autor, in vieler Hinsicht ähnelt.

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