Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 5)
- Language
- German
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160 2tur Charakteristik des Levi ben Abraham ben Chajjim. einem anderen Grunde ist dieses Verbum recht prägnant; es stellt die Schöpfung als eine Possession dar, weist also auf eine vorhergegangene Privation hin1) und bezeichnet demnach Gott als den creator mundi; es ist der relativ beste Ausdruck für das Schaffen aus dem Nichts2). Das Zeitwort יצר sagt hingegen von Gott nur, dass er der architecton mundi ist, ganz wie עשה und 3ברא)• Mit dem Beinamen צור wird Gott in doppelter Hinsicht bezeichnet, als der, welcher die Form der Welt ist4), und als der, welcher allem seine Form giebt. Die Schöpfung aus dein Nichts ist der wichtigste Glaubensgriindsatz; denn das freie Wirken Gottes, wie es sich auch im Wanderwirken und in der Vorsehung kundthut, ist nur denkbaib wenn wir sie annehmen5 6). Deshalb ist der Begriff ״Nichts“, so scharf und absolut zu fassen, vue nur möglich. Die Zulassung eines relativen Nichts im Sinne von Phitos ewiger Urmaterie stösst auf die entscheidendsten Schwierigkeiten. Denn von den! Aussersichsein die Ewigkeit also die höchste Potcaz des Lehens, auszusagendst eine contradictio in adjecto; man kann der formlosen Mafcerie nicht einmal Dauer zuschreiben, denn sie ist ohne Bewegung7)• Um allenMisverständnissen vorzubeugen, ist es deshalb besser, von einer Schöpfung nach dem Nichts als von einer Schöpfung aus dem Nichts zu sprechen. Dies ist auch aus dem Grunde von Vorteil, weil selbst, wenn die Ansicht, dass die Präposition ״aus“ .1) S. Maimoiiides: מלות ההגיון cp. XI. 2) Vergl. Anatoli: ibid. p. 67a: אברהם . . לא שם לבז לדקדק באמונת החדוש אבל קב: אותה ממלכי צדק הוא שם שאמר אל עליון קונה שנדם וארץ . . ומלת קנין מורה שבעל הקנץ ההוא היה מבלעדי הקניי ההוא.. In der Form, die unser Autor diesem Gedanken gegeben hat, rindet er sieb dann bei Bachja ben Ascher zu Deut. 32,6: הלא הוא אביך קנך כל״ ששמך קנין כי הוציאך מאין ליש וכל יש ק נין ... וכן קונה שמים וארץ כר" שברא שמים וארץ והוציאן יש מאין. — Vergl. auch die von Kaufmann Attrib. S. 65 Anm. 121 nach Ibn Esra angeführte Gleichsetzung .ק ני ן =' שער היש 3) Gegen More II, 30 sub fin. u. III, 10 Anf., im Anschluss an Ibn Esra zu Gen. 1,1. David Kimchi im liber rad. s. v. ברא erklärt ברא als creare ex nihilo, יצר dagegen als Verleiben der Form. Von Jakob Anatoli wird עשה ebenso erklärt s. Malmad p. 64 a. Vergl. auch die Erklärung von יצר im Buche Bahir p, 2. 4) Als Form der Welt wird Gott von Batlajusi bezeichnet. S. ״Bildliche Kreise“ p. 37 11. 38. 5) More II, 25—27. 6) Vergl. Plato, Phüeh. 24 Aff. u. Tim. 49 Aff. sowie Aristoteles, Phys. I, 9. Vergl. auch Joel: Beligionsphil. d. Maim. II Ausg. S. 32 Anm. 1. 7) Vergl. Kaufmann, Attr. S. 306—309.