Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 5)
- Language
- German
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Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims. 131 und Holland die Bnchdruckerkunst verliess aber das letztgenannte Land infolge der französischen Invasion, ging nach Frankfurt a. Main und lernte Heidenheim kennen. Sie ent־־ schlossen sich zu gemeinsamer Arbeit. Am 1. Dezember 1798 machten sie in der Frankfurter Postzeitung bekannt, dass sie von Vollrath, dem Grafen von Solms-Rödelheim, ein Privilegium behufs Errichtung einer grossen Druckerei in Rödelheim erhalten hatten. TTm der mancherlei Hindernisse willen, die der Concurrenzneid durch allerlei Kabalen diesem Unternehmen in den Weg zu legen wusste, entschlossen sie sich für das kleine Rödelheim. Der Graf befreite sie und ihre Familien von allen Steuern und sicherte ihnen alle mögliche Unterstützung zu. Zugleich kündigten sie die Drucklegung des Machsor an. Die Uebersiedelung nach Rödelheim erfolgte 1799. Die erste Schrift, welche die Presse dieser ״privilegirten orientalischen und occidentalischen Buchdruckerei“ verliess, war •eine,schwungvolle Ode in hebräischer und deutscher Sprache an den Grafen von Rödelheim; ihr Verfasser war Heidenheim. Im J. 1800 begann das Erscheinen der Machsorausgabeu, die nach dem Urtheile eines der berufensten Vertreter der jüdischen Wissenschaft (Steinschneider) ״geschmackvoll, correct und mit rein deutscher Uebersetzung versehen, in dieser ritualen Litteratur eine neue Epoche begründen.“ Die Veranlassung zur Herausgabe des Machsor ist für Heidenheim, ״dass die alte deutsche Uebersetzung dasselbe seines Glanzes und seiner ganzen Würde vollends beraubt hat1).“ Die Poetanim, unsere liturgischen Dichter, waren bisher in uncorrecter, misslicher Gestalt infolge der verderbten Ausdrucksweise ihrer Ueb ersetz er erschienen, jetzt sollte ihnen eine Ehrenrettung zu theil werden. Wiederum haben wir Gelegenheit die Gründlichkeit Heidenheims zu bewundern. Alte Handschriften, unter anderen eine vom Jahre 1258, und alte Drucke aus Italien und Deutschland zog er zur Herstellung des Textes heran. Die bedeutendsten Rabbiner gaben ihm in schmeichelhaften Ausdrücken ihre Autorisation und unterstützten ihn in jeder Weise bei der Herausgäbe; es waren die von London, Rotterdam, Frankfurt a. d. Oder, derjenige der Koalitionsgemeinden Altona, Hamburg'־׳und Wandsbeck, sowie von Frankfurt am Main und Hanau. Letzterer lieferte auch Beiträge zur Erklärung einiger liturgischer Stücke2). Salomo Dubno sandte ein warmes Empfehlungsschreiben3). 9 Yorbericht zum Machsor für den ersten und zweiten Tag פסח. 2) S. z. B. Machsor für den ersten Abend פסח. s) Vgl. S. 129, Anm. 1. 9*