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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1900-01-01 · Heft 3 · p. Seite 132

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
44 (1900)
Issue
Heft 3
Article
Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims
Date
1900-01-01
Page
Seite 132 (sequence 6)
Language
German
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132 Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims. Die Uebersetzung und Erklärung der Piutini ist ■meisterhaft, die überaus schwierige Materie auf ihre Quellen in Talmud, Midrasch und Bibel zurückgeführt und dem Verständnisse nähergebracht. Stellen, die zu Missverständnissen seitens Unkundiger führen könnten, liess er unübersetzt und verwies auf den hebräischen Coramentar. Ein Musterstück sachlicher Klarlegung ist z. B. die Interpretation des Kol-Nidre. ״Bleibendes Verdienst“, sagt hierüber Zunz, ״haben die Arbeiten von W. Heidenheim, welcher der Mendelssohn des Machsor genannt werden kann. Wortlaut und Verständniss, Ausstattung und Würdigung des Piut sind durch ihn gefördert, der der Führer einer zahlreichen Schaar von Herausgebern und Erlauterem geblieben ist“ 1). Ahr. Geiger rühmt die rein deutsche fliessende Uebersetzung der Machsorausgaben, die sorgfältige Correctur, den sehr sorgsamen und eingehenden Commentar sowie die Vergleichung von Handschriften und erzählt folgende Anekdote. Als das Machsor eine allseitige anerkennende Aufnähme fand, fragte Heidenheim einen witzigen Bekannten und Freund um sein Urtheil. Dieser äusserte: ״Ihr habt eine gute Brühe um einen Backstein gemacht; Backstein bleibt Backstein“ 2). Gradezu bahnbrechend war Heidenheim in seinen Forschungen über die Geschichte der liturgischen Dichter, die unter dem Titel הפיוטים והפייטנים dem Machsor beigegeben sind3). ״Als Grammatiker und Litterator ausgezeichnet, ist er der erste, der in neuerer Zeit den Gebeten und deren Litteratur Aufmerk־ sarnkeit geschenkt hat4).“ Seinen Spuren folgten Rapoport, Luzzatto, Landshuth (Ammude ha-Abodah) und Zunz, welch’ letzterer in seinen ״gottesdienstlichen Vorträgen“ zur Stelle ihn oft anführt5). Das Machsor wurde zugleich für den deutschen und polnischen Ritus ausgegeben und erlebte unter Heidenheim sechs Auflagen. Trotz der Erfolge forderte er die Gelehrten in seiner Bescheidenheit auf, seine Bearbeitung zu kontrolliren und ihre Resultate — wenn verbessernd oder ergänzend — ihm *) Die Ritas des synagog. Gottesdienstes 175: das. S. 172 nennt er ihn ״besonnen.“ 2) Jiid. Zeitschr. f. Wisscnsch. und Leben II, 2G5. 3) Anhang ziun M. für שמי־נ' עצרת> ergänzt von Michael in der Machsorausgabo Hannover. 4) Zunz, die Monatstage des Kalenderjahres, 10. 5) S. 403ff. der zweiten Auflage.

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