Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
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Materialien zu einer Biographie Wolf Heidenheims. 129 Im Jahre 1788, dem letzten seines Frankfurter Aufenthalts, machte H. die Bekanntschaft Salomo Dubno’s, des Mitarbeiters am Mendelssohnschen Pentateuchkommentare, und nachdem Dubno F. verlassen hatte, korrespondirten die beiden sich verwandt fühlenden Männer noch viele Jahre miteinander1). Heidenheim heirathete die Tochter des Götz Ansehel aus Wetzlar und liess sich in Offenbach nieder. Voll Hingebung und Selbstlosigkeit hatte er bis jetzt der jüdischen Wissenschaft allein gelebt. Nunmehr, da er sich ein eigenes Heim gegründet hatte, musste er auch daran denken, einen Beruf zu ergreifen. Er entschloss sich für eine Thätigkeit, die seiner Geistesrichtung zusagte und ihm zugleich seinen Unterhalt gewährte, zur Herausgabe jüdischer Bücher theils rein wissenscliaftlichen theils religiös-praktischen Inhaltes. In einem Briefe an Dubno2) entwickelt er seinen Plan, einen Pentateuch mit den bekanntesten Commentaren und seinen eigenen Erklärungen herauszugeben. Das Debit für Amsterdam wollte Dubno, der dort weilte, selbst übernehmen. Auch ein Gebetbuch sollte edirt werden. Schwierigkeiten unbekannter Art haben die Verwirklichung dieser Pläne erst einige Jahre später eintreten lassen. Das erste Werk, das Heidenheim herausgab, war die grammatische Schrift מאונים des Abraham ihn Esra, die er mit einem gelehrten Commentare versah und 1791 erscheinen liess. Seitdem datirt sein Ruhm als Coryphäe der jüdischgrammatischen Wissenschaft. 1798 gelang es ihm auch das lange vorbereitete Pentateuchwerk erscheinen zu lassen. Es trug den Namen 4°) ספר תורת אלהים) und war mit der Approbation des Offenbacher Rabbiners Anschel Metz versehen. Der Pentateuch blieb ein Torso, weil Heidenheim zwar ein gelehrter Herausgeber aber kein praktischer Geschäftsmann war. Die Ausgabe war aufs grossartigste angelegt; sie enthielt nicht nur Thargum, die Commentare von Raschi, Samuel ben Meir und den damals fast ganz unbekannten äusserst 1werthvollen מנחת שי des Salomo Norzi sondern auch unter dem Namen מפורש eine ausführliche Wort- und Sacherklärung, unter dem Namen שום שכל sämmtliche Massora’s, unter dem Namen הבנת המקרא einen eingehenden Superkommentar auf Raschi und unter dem 9 Brief Dubno’s an H., vorgeclr. dem Machsor zu שבועות. 2) abgedr. in Auerbach, Gesell. der isr. Gern. Halberstadt, S. 18B, Konatsclirift, 44. Jalirgaug. 9