Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 4)
- Language
- German
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Actenstürke zur Geschichte d. ContiscatioTi cl. hebräischen Schriften. 117 Gemeinden, zu einer Tagessatzung Abgesandte nach Frankfurt zu schicken, da Pfefferkorns Absichten gegen die gesammte Judenschaff Deutschlands gerichtet seien. Einstweilen sandten sie einen aus ihrer Mitte, Jonathan Zion, an den kaiserlichen Hof. Nach langen Kreuz- und Querzügen traf dieser den Kaiser in Verona. Nun lernen wir die zahlreichen Intriguen kennen, die in Maximilians Umgebung für und gegen die Juden gesponnen wurden; wir erfahren, wie mächtig Jonathans Geld auf einflussreiche Persönlichkeiten, — darunter auch Reichsfürsten — wirkt; wie Jonathan schon voller Jubel den Erfolg seiner Mission nach Hause meldet, wie er aber, als Pfefferkorn ganz 1111־ erwartet in Verona erscheint und den wankelmtithigen Herrscher wieder für sich zu gewinnen versteht, aus seiner Siegesfreude in die tiefste Verzweiflung herabgestürzt wird und schon alles für verloren giebt. Schliesslich zeigte es sich aber, dass er doch zu schwarz gesehen hatte, denn der Kaiser nahm das Paduaner Mandat zurück und erliess das den Juden viel günstigere Mandat von Roveredo. Inzwischen hatten die Frankfurter Juden mit ihren Sendschreiben an die einzelnen Gemeinden nur geringen Eindruck hervorgerufen; die Regensburger allein zeigten sich eifrig und thätig; die meisten anderen Gemeinden verhielten sich vollständig passiv und beschickten nur zum Theil die angesetzte Tagessatzung. So waren die Frankfurter Juden auf sich selbst angewiesen. I)a war es nun ein Glück für sie, dass der Rath der Stadt sich ihrer jetzt mehr annahm und ihnen zunächst gestattete, durch Karl von Hinsperg, den Vertreter Frankfurts auf dem Reichstag zu Augsburg, dem Kaiser mehrere Supplicationen zu überreichen. Während nun die Juden alle ihre Hoffnungen auf den Reichstag setzten, erschien ganz unerwarteter Weise Pfefferkorn Ostern 1510 wieder in Frankfurt. Trotz aller Proteste mussten sie am 11. April den Rest■ ihrer Bücher herausgeben, die dann vom Rath aufgezeichnet und in Verwahrung genommen wurden. Die Juden aller gaben ihre Sache noch nicht• verloren. Da ja Maximilian in seiner Politik gegen sie sich nicht von festen Grundsätzen, sondern von augenblicklichen Stimmungen und den jeweiligen Zeitumständen leiten liess, so war die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass er die gegen sie gefassten '.Beschlüsse wieder zurücknahni.