Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 3)
- Language
- German
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116 Actenstückc zur Geschichte d. Conftscation d. hebräischen Schriften. herauf, von dessen weittragenden Folgen er keine Ahnung hatte1). Aufs eifrigste unterstützt wurde er hierbei von der Herzogin Kunigunde, der Schwester des Kaisers Maximilian, die nach dem Tode ihres Gemahls, des Herzogs Albreeht von Bayern, sich in ein Kloster zurückgezogen hatte und in jedem Schritt gegen die Juden ein gottgefälliges Werk sah. Ein Glück für diese war es, dass das entscheidende Wort in diesem Bücherstreit vom Kaiser Maximilian abhing, dem nichts ferner lag, als fanatischer Eifer für die Kirche. Im August des Jahres 1501) erschien nun Pfefferkorn in Oberitalien mit einem sehr warmen Empfehlungsbrief der Herzogin an ihren Bruder, welche]’ da״ mals gerade gegen die Yenetianer zu Felde lag. Seinem Anliegen Gehör schenkend, erliess Maximilian das Paduaner Mandat, welches das Schicksal der hebräischen Schriften ganz von der Willkür Pfefferkorns abhängig machte. Siegestrunken eilte dieser über die Alpen nach Deutschland zurück. Zuerst erprobte er die Wirkung des Mandats in Frankfurt a. M., das schon damals eine der reichsten und angesehensten jüdischen Gemeinden Deutschlands besass. Deputirte des Käthes und des Domkapitels begleiteten den Apostaten in die Synagoge, woselbst die Juden bereits vorsammelt waren; er verlangte kraft seiner Vollmacht die Herausgäbe ihrer Bücher. Vergebens baten sie den Bath um' Wahrung ihrer Interessen. Pfefferkorn confiscirte am 28. September sämmtliche in der Synagoge befindlichen Bücher und war schon im Begriff, auch die in den Häusern auf bewahr teil, deren Zahl selbstverständlich viel grösser war, an sich zu nehmen, da ward seiner Thätigkeit in Frankfurt ein unerwartetes Ende bereitet. Der Erzbischof von Mainz, Uriel von Gemmingen, verbot nämlich dem Domkapitel, Pfefferkorn noch weiter Handlangerdienste zu leisten und versprach überdies noch dem Abgesandten der Juden, sich ihrer kräftig beim Kaiser anzunehmen. Doch auf seine Fürbitte allein mochten sich die Frankfurter Juden nicht verlassen; sie erkannten, dass sie selbst für sich einzutreten hätten. Zunächst beschworen sie die übrigen *) lieber das Vorleben Pfefferkorns sowie über den Bücherstreit überhaupt vergl. Gractz, Gesell, der Juden, IX3, 68ff. sowie die bereits erwähnte Abhandl. in der MS.; ferner L. Geigers Beuchiin und seinen Aufsatz .,der Kampf gegen die Bücher der .Juden“ u. s. w. im Archiv fiirPrankf. Gosch. 11. s. w. Neue Folge VT, 208; schliesslich noch des Verfassers Schrift ,.Die Conftscation der hebr. Schriften“ u. s. w. in der Geigerschcn Zeitschrift für die Gesell, der Juden in Deutschland, I, 160 ff. 230ff.