Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Actenstücke zur Geschichte der Confiscation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M.
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 5)
- Language
- German
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118 Aktenstücke zur Geschichte d. Coufiseation d. hehräisclien Schriften. Aber alle Bemühungen Hinspergs sowie der jüdischen Abgesandten scheiterten diesmal an des Kaisers Willensfestigkeit. Der Druck, der von Pfefferkorns Gönnern und den Judenfeind־• liehen Fürsten in Augsburg auf ihn ausgeübt wurde, war zu stark, als dass Maximilian sich zu Gunsten der Juden hätte umstimmen lassen. Schon hielt Pfefferkorn seinen Sieg für sicher, da geschah das Unerwartete. Der Kaiser erliess am 23. Mai zu Augsburg ein Mandat, wie es günstiger die Juden kaum erwarten konnten. Der Frankfurter Rath erhielt den Befehl, den Juden sämmtliche confiscirten Bücher wieder znrückzugeben, da Maximilian die Mandate von Padua und Roveredo annullire. Woher kam dieser plötzliche Umschwung seiner Gesinnung? Eine Pfandsache entschied endgültig das Schicksal der hebräischen Schriften. Herzog Erich I. von Braunschweig, welchem der Kaiser aufs höchste verpflichtet war, hatte die Kleinodien seiner prachtliebenden Gemahlin bei den Frankfurter Juden versetzen müssen, da der Kaiser seinen pekuniären Verpflichtungen gegen ihn nicht nachgekommen war. Die Ver-!allzeit der Kleinodien war schon längst verstrichen, ohne dass sie Erich hätte einlösen können. Nun schloss der Kaiser einen Vergleich mit den Frankfurter Juden; dafür dass sie dem Herzog den Zahlungstermin prolongirten, gab er ihnen durch das Mandat von Augsburg die Schriften zurück. Eine solche prosaische Lösung fand dieser für die Culturgescliichte so wichtige Streit. Dieser Kampf um die Bücher der Juden war nur das Vorspiel zu einem weit grösseren; aber die Juden treten von der Arena zurück. Andere Streiter erscheinen nunmehr; mit anderen Waffen wird gekämpft. Es beginnt jetzt die Fehde zwischen den Humanisten und den Dunkelmännern, durch welche die Sache der Reformation eine so wichtige Förderung erhielt. Ich gebe nunmehr in kurzem den Inhalt der Actenstücke: I. Pfefferkorns Eintreffen in Frankfurt, erfolgloser Widerstand der Juden gegen die Bücherconfiseation; der Erzbischof Uriel von Gemmingen mischt sich ein. II. Sendschreiben der Frankfurter Gemeinde über die Vorgänge bei der Bücherconfiseation; Festsetzung eines Gemeindetages. III. Jonathan Zions erster Brief aus Bozen, datirt vom 17. Oktober; seine bisherigen Misserfolge.