Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Adlergesicht im vierten Esrabuche
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 17)
- Language
- German
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113 Dn,s Adlorgesicht im vierten Esrabuchr. ja freilich ein, dass die Häupter später auf Trajan und seine beiden Nachfolge]’ gedeutet worden, aber es ist immer ein hedeutender Unterschied, oh eine Bezeichnung, ein Vergleich ursprünglich auf eine bestimmte Person gemünzt oder hinterher auf ihn gedeutet worden ist. Im letzteren Falle nimmt man es mit einigen Ungenauigkeiten nicht sonderlich genau. Auch die acht Nebenschwingen haben ganz sicher ursprünglich einen anderen Sinn gehabt, als den heute ihnen untergelegten. Gerade weil sie sich heute nicht mehr sicher deuten lassen, müssen sie später eine Ueberarbeitung erfahren, .mithin früher eine andere Bedeutung gehabt haben. Aber ist es denkbar, dass der spätere Ueberarbeiter die Umarbeitung so mangelhaft vornahm, dass Beste des Alten in bedeutendem Umfange stehen blieben? Ein Ueberarbeiter in unseren Tagen wäre allerdings radicaler zu Werke gegangen. Wir sind kritisch veranlagt, und eben deshalb ist uns die Pietät vor dem Altüberlieferten verloren gegangen. Das Alterthum, und namentlich das hebräische Alterthum, war pietätvoller. Wenn ein Buch sich ״Esra’s Prophetie“ nannte, so gab es vielleicht einen kleinen Kreis von Eingeweihten, der die Sache wusste, der grosse Haufe aber nahm das Buch unbesehen für ein Werk Esrabs. Lag es nahe den Text in einigen Stücken zu verbessern, so geschah, es mit schonender Hand, so zwar, dass man nur das abänderte, einschaltete oder ausliess, was unumgänglich nothwendig erschien. Der Best blieb ungeändert stehen. Aber gerade die Pietät schafft den Wirrwarr. Die neuen Beiser schiessen zwischen dem alten Holze in die Höhe, und es hält dann schwer zu erkennen, was neu und was alt ist. Gerade in solchen Stücken ist die Quellenscheidung eine schwierige Sache. Für unseren Abschnitt aber ist sic um so schwieriger als das vierte Esrabuch uns nur in mehr oder minder schlechten Uebersetzungen, nicht aber im Urtext vorliegt. Unter solchen Umständen ist es unendlich schwer, den ursprünglichen Text festzustellen, ja an einigen Stellen, wo die Abweichungen gar zu stark sind, kommt man damit über das weite Feld, der Vermuthungen gar nicht hinaus, denn die besseren Lesarten brauchen nicht immer die ursprünglichen zu sein. Unsere Deutung umfasst deshalb auch nur die Hauptsachen, das Gesicht in grossen Zügen. Die Deutung der Einzelheiten und Kleinigketten muss unterbleiben, bis uns ein Text in die Hände fällt, an dessen Hand wir die nachbessernde Hand des Heber- Monatsschrift, 44• Jahrgang,